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Freitag, 4. Mai 2018

Delicatessen im Schatten ( Klettern in Korsika)


Roby kam per Fähre und ich per Lüft nach Korsika.

Nachdem ich Monatelang nur Bouldern war und wir eine tolle Zeit in Bleau hatten war entlich mal wieder Zeit die größeren Wände in Angriff zu nehmen. Das der Anfang hart wird war klar aber musste es so hart sein? Dieses mal war ich mit Roby Rudolf aus der Schweiz unterwegs. Den ersten Tag sollte es ohne Einkletter gleich richtig losgehen.

Das Ziel unseres Besuches die Delicatessen oben rechts die kleine schattige Wand an der Punta U Corbu.

Mit der nötigen Geduld und Ausdauer kann die Natur selbst Felsen spalten.

Roby im Zustieg zu den Delicatessen.

Delicatessen (1, Tag = 1. Teil)
Beim ersten Tageslicht ging es hoch zur Punta U Corbu. Noch bevor man die Sonne sah, spürte man die Hitze des Tages. Durch Unterholz und Dornen kämpfte wir uns hoch zum Einstieg der Delicatessen. Es gibt bekannte Kletterer die für diesen Zustieg beim ersten mal 4 h statt 1,5 h benötigt haben aber bei uns blieb alles im Rahmen.

Ab da gingen die Probleme langsam los. Der 5. Haken fehlte, aber da ich immer eine Bohrhakenlasche und eine Mutter dabei habe war dies ein kleines Problem. Ab da ging es eine abgefahrene seichte Rinne hoch die kniffelig war und die ebenso gut an der Taipan Wall in Australien sein könnte. Leider steckte auch der 9.BH alles andere als dort wo man entlangklettert. Am 10. Haken war es mir viel zu warm in den Kletterschuhen. Ich hatte aber alle Züge bisher gebracht. Ich war der Meinung das es nach dem No-Hand-Rest deutlich leichter wird und die Platte schon irgendwie geht, doch ich sollte mich täuschen. Roby kam den unteren bereits ausgeboulderten Teil sehr flott hoch und fand noch eine Verbesserung in der genialen Rinne. Auf der Platte die nur 4 Haken lang war dauert es jedoch ewig bis zum ersten Stand. Roby hatte trotz der Hitze sehr enge schuhe an und musste sich an 2 Stellen sehr lang machen. Da er 10 cm größer war und meine Füße bereits um 11 Uhr höllisch schmerzten ließ ich diese weg. Am Begin der 2. Länge war noch mal so ein Zug. Das gemeinste war allerdings der Rausschmeißer an Auflegern kurz vor dem 2. Stand. In der 3. Länge merkte ich das meine Kraft vollkommen am Ende war und ich hatte arge Probleme die Einzelzüge zwischen den Haken zu Klettern ohne permanent runterzufallen.
Der 3. Stand der Delicatessen ist echt bequem.

Diese Formation haben wir Angelhaken getauft. Wenn man zu loker sichert fällt man aus der Crux der 4. Länge genau dirt drauf.

Ordnung am Stand ist wichtig.

Die letze schwere Länge war wieder eine Platte wo es nur eine 2-3 m schwere Stelle gab die zu Lösen Roby mehr als eine Stunde benötigte. Die Lösung war so gut, das ich mir diese Länge ausnahmsweise mal vorstellen konnte. Mittlerweile war die Sonne seit mehreren Stunden aus der Wand und in Bälde würde es nun dunkel werden.
Ich hoffte noch für die 3 Stellen die ich nicht Klettern konnte eine Lösung zu finden aber ich fand keine. Geschlagen, vollkommen erschöpft und mit durchgekletterten Fingern ware wir um 22:00 Uhr zurück am Auto.

3 Tage hatten wir für die Route eingeplant, also haben wir einen Teil des Materials oben gelassen. Doch nach einem Klettertag einen Ruhetag machen egal wie geschafft wir waren war keine Option. In den Kletterführern die wir von Korsika hatten gab es 10 Mehrseilängenrouten wo der 8te Franzosengrad vermutet oder gefordert war. Wir wollten so viele wie möglich davon probieren.

Conteforts de la Punta di a Muvra/ Petit Plongeoir/ Fitzcaraldo 250m 7a+
Am 2. Tag ging es zu den Felsen unterhalb der Punta U Muvra wo es laut Führer ein gigantisches 50 Grad überhängendes Rißdach in der 5. Länge gab welches eventuell für 8a frei zu Klettern wäre. Dieses war unser Ziel doch der feuchte und schmutzige Zustieg war alles andere als ein Genuss. Das Dach jedoch war beeindruckend. Die erste Hälfte ging ganz gut und wäre etwa 7c doch dann wurde der Riß breit und man konnte nur mittels windiger Knieklemmer 2 m überbrücken bis es wieder besser wurde. Entweder man ist richtig gut in dieser Breite oder es ist schwerer als 8a. Das wird bestimmt der schwerste Riß auf Korsika. Für eventuelle Aspiranten ist ein Kneepad empfehlenswert und die Füße gehen an der Crux leider nicht über den Kopf zu klemmen.
Damit der Tag nicht ganz umsonst war kletterten wir noch Fitzcaraldo welches stellenweise mutig und oben sehr ausgesetzt war.

Das Dach von Petit Plongevoir wird bestimmt der schwerste Riß auf Korsika. 45 Grad steil und sehr anstrengend.

Beim Blick auf den Wetterberich wurde uns kühleres Wetter in 3 Tagen versprochen. Deshalb setzten wir zur anderen Seite der Insel in die Region Portu um. Hier gab es 3 der 10 französischen 8er Routen.

Signore Occidentale, "Tangue au coeur de rêves" 8a?, 450 m 19 Sl
Blick von Portu zu den 3 Signores. Der rechte ist der Signore Occidentale unser Ziel.

Nach dem ausgibigen durchblättern des Führers wurden wir fündig. Die beiden wichtigsten Suchkriterien waren Schattig, schwer und schön.
Es stimmt jedoch nicht alles was im Führer steht.
Was man jedoch nicht abstreiten kann ist das der Gipfel ein beeindruckender Felsturm ist. Das rechtfertigt die 2h Zustieg und die 3h Abstieg schon erst einmal. Es wurde auch gesagt, dass die Haken etwas ävom Seewasser angegriffen sind, aber das diese in einigen Jahren ein ernste Sicherheitsrisiko sein werden hätten wir nicht gedacht. Das die ersten Längen etwas bewachsen sind wurde erwähnt aber das dies nach 19 Längen immer noch der Fall sein wird war uns unklar. Wir wollen uns jedoch nicht beklagen 2 oder 3 schöne Längen waren auch dabei. Zum Glück war die Crux eine davon.
Das Meer hat den Haken stark zugesetzt zudem wurden auch viele 8 mm Haken verwendet. 

Abgefahrene Strukturen in der Länge vor der Crux.

Das Ende der Crux. Mit 8a hat das unserer Meinung nach nichts zu tun aber abgefahrene Strukturen sind es schon.

Wir hätten für diese tolle Rinne maximal 7c vorgeschlagen aber die letzte 7b Länge an einer Rißspur fühlte sich im onsight etwas schwerer an. Wir konnten alles Durchsteigen ware am Abend jedoch sehr schmutzig und von der Sonne gequält die bereits um 14:30 Uhr in die Wand kam.
Blick vom Gipfel zu Meer.

I Cascioni, "Le non-sens et la joie" 7c+
Nur 10 km vom Touristenmekka Portu entfernt waren wir unter der Woche ganz alleine. Der Zustieg war kürzer als am Vortag und die Wand war Atemberaubend schön und steil. Viele Strukturen dieser Wand erinnerte mich an Mt Arapiles mit seinen runden Strukturen und den zugekniffenen Rissen. Nur das hier durch die großen Kristalle die Reibung auf den Griffen besser war. Auch hier war die erste Länge etwas bewachsen und bröselig aber dann war es genial. Wenige Borhaken, weite Abstände und immer mal wieder ein Friend. Durch die Steilheit war auch das Fluggelände perfekt. Das Dach was die Crux sein sollte war gar nicht so schwer wir fanden die beiden Längen danach anspruchsvoller. Die Routenfindung war nicht ganz ohne und die Griffe in einer Wand voller Aufleger zu Finden war echt schwer. Weniger hilfreich war da die Sonne die leider bereits 12:00 Uhr in die Wand kam und sich in der Oberfläche spiegelte. Das die Hitze auch nicht hilfreich war brauche ich wohl nicht zu betonen. Wir machten beim Ausbouldern beide einige Flugmeter in Friend und hatten viel Freude dran. Eigentlich falle ich nicht gerne in Friends, aber wenn man viel Luft untern Hintern hat und alles gleich aussieht kommt auch das mal vor. Da es uns zu warm wurde und Robys Arme so dick waren das er sie nicht mehr anheben konnte kletterten wir den Ausstieg von "Entre mon Coeur" nicht mehr mit.
Wenn jemand nur ein Gebiet auf Korsika besuche kann und athletische Kletterei zum Selbstabsichern mag, dann ist I Cascioni das Gebiet was ich empfehlen würde.
Roby in "Le non-sens.. in der Stelle nach dem Dach. Nicht schwer aber luftig und ausgesetzt.

I Cascioni eine der tollsten Wände in Korsika.

Punta U Corbu, Delicatessen 8b, 180 m (2 Tag = 2. Teil)
Meine Motivation für die Delicatessen hielt sich in Grenzen aber wir waren jetzt etwas eingeklettert und Roby brannte förmlich für die Route. Ich wollte ihn so gut es ging unterstützen auch wenn ich nicht wusste ob die 3 Einzelstellen heute gehen würden. Da Roby die besten Aussichten auf den Durchstieg hatte, fing er an und stieg um 7:30 Uhr noch einmal ein um die Züge durchzubouldern. Da die Abschlußplatte der ersten Länge sehr agressiv für die Haut auf den Fingern war tapte er vorbeugend damit die Züge zum einschleifen mehrfach geklettert werden konnten. Als ich an der Reihe war war es bereits wärmer aber ich hatte keine großen Erwartungen an den Tag. Das einzige was sicher sein würde, dass mir die Füße wegen der engen Kletterschuhe am Abend schmerzen würden. Ich ließ unten die Züge großzügig aus um schnell auf die Platte nach dem bequemen No-Hand-Rest zu kommen und war erstaunt als diese Stelle sich intuitiv mit einem Heelhock an der linken Hand lösen lies. Die war nun kein Problem mehr. Mehr Schwierigkeiten bereitete mir der Spreizschritt nach rechts. Ich kam zwar in die Spreizposition zwischen den zwei guten Tritten kam aber wegen der winzigen Tritte nicht mehr aus dieser raus. Um besser probieren zu können tapte auch ich mir einige Finger denn die Griffe waren sehr scharf und winzig. Ich musste auf zwei sehr kleinen Tritte mit fast nichts überkreuz treten um in eine Position zu gelangen die den Spreizschritt etwas verkürzt. Endlich hatte ich Glück und die Füße rutschten nicht ab. Nach mehrmaligem Probieren blieben die Füße zumindes gelegentlich stehen. Ich könnte zwar die Wahrscheinlichkeit etwas erhöhen indem ich die Kletterschuhe ganz eng schnürte aber das wäre bei den flachen Reibungstritten vorher eher schlecht. Jedenfalls war es nun soweit, dass auch ich RP- Versuche machen konnte.
Das Juwel von Korsika. Rechter Teil der Punta u Corbu wo die Delicatessen durchklettern.


Bis 13:30 Uhr mussten wir warten, bis die Wand im Schatten lag. Roby kam in seinem 3. Versuch bis zum Ende des Quergangs kurz vor dem no-Hand-Rest. Das war echt knapp und ich fieberte voll mit. Mein 3. Versuch endete am Ende der Rinne weil ich einen Fehler machte und auch vorher schlecht geklettert bin. Ich schaute mir die Züge nochmals an und Roby war wieder an der Reihe. Alles lief wie am Schnürchen: Rinne, Quergang und zum Ruhepunkt. Auf der Platte konnte ich Robby nicht mehr sehen und hielt fast den Atem an. Er kletterte immer weiter am Spreizschritt vorbei was auch für ihn die letzte Crux war. Als dann der Jubelschrei vom Stand kam hatte er es geschafft und war glücklich. Er kam runter und ich war an der Reihe. Ich entschied mich die Schuhe etwas fester zu Schnüren damit ich besser auf den kleinen Leisten stehe, hatte aber Angst das die Füße oben bereits taub sein würden.
Auch mein 4. Versuch lief wie am Schnürchen: Rinne, Quergang, no-Hand-Rest. Nun war das Problem, dass meine Füße von den engen Schuhen taub waren. Da man im Ruhepunkt in eine Rinne gelehnt war öffnete ich die Schnürsenkel der Schuhe. Nach einigen Minuten fühlte es sich besser an und ich schnürte die Schuhe erneut fest. Die Stelle mit dem Heelhock ging spielend und beim Spreizschritt zögerte ich nur einmal kurz. Dann belastete ich den kleinen Tritt mit einem Mal und tat so als ob dieser groß ist. Das ganze Unterfangen glückte und ich kam zum Stand. In etwa 3 Stunden würde es dunkel werden und wir hatten noch 4 Längen (7c+, 7c, 8a, 6c) vor uns, die wir nur einmal durchgebouldert hatten. Wir wollten es versuchen und der auffrischende Wind beflügelte uns.
Als wir auf Schatten warteten kam schon der nächste Aspirant für die Route der sogar ohne Seil Durchstieg. Wir nanten ihn Alex.

Warten im Schatten am Einstieg auf Schatten in der Wand.
Die geniale Rinne der Cruxlänge im Durchstieg. Da denkt man wirklich man wäre wieder an der Taipan Wall in Australien

Die Rinne in der 1. Länge beim Ausbouldern in der Sonne.

Ich hängte die Exen und das Materialseil die
nächste Länge hoch und schafte dank der guten Bedingungen und der engen Schuhe auch die letzte noch offene Einzelstelle. Roby stieg gleich durch und bei mir klappte es im Nachstieg. Weil ich mich so sehr beeilte bekam ich sogar dicke Arme. Ich ging gleich weiter die 7c hoch und stieg durch. Als Roby bei mir ankam war der Wind bereits zu einem richtigen Sturm angeschwollen. Wenn einen die Böen nicht aus der Wand schüttelten war der Grip echt perfekt. Roby hängte Expressen und Materialseil hoch und ich stieg gleich durch. Das Zickzack am ende der Länge war so schlimm, das man den letzten Haken links drüben besser nicht einhängt oder später wieder aushängt. Auch Roby gelang jetzt im Nachstieg der Boulder. Nach der letzten ganz und gar nicht trivialen 6c standen wir glücklich oben. Normalerweise sind 180 m schnell abgeseilt, aber bei dem Sturm hingen die Seile überall nur nicht unter uns. Dadurch dauerte das Ganze 1,5 h und wir waren glücklich und geschafft um 22:30 Uhr am Auto.
Ein kurzes Wort am Ende: Ohne Frage eine der besten Routen hier. Auch wenn wir uns wegen der Sonne und dem schlechten Bedingungen etwas angestellt haben ist bei dieser Route nichts was den Grad 8b+ rechtfertigen würde. Selbst 8b ist schon sehr hochgelobt aber wir sind ja auch nur 2 "Hobbyalpinisten" und keine Profikletterer, die wissen es ja besser.

Punta a Muvra, "Tafunata Galattica" 7b+, 190 m
Obwohl wir nur wenig geschlafen hatten klingelte noch im dunklen der Wecker. Wir wollten keinen Klettertag verschwenden und wie das Wetter aussah würde es danach eh regnen. Also versuchten wir früh die A0-Stellen von RoMa und scheiterten dort. Dann stiegen wir noch Tafunata Galattica ein. Beides waren nach Führer Route die Frei im 8ten Franzosengrad anzusiedeln. Doch auch bei der letzten Route war die angebliche 8a Länge nie geklettert worden. Sobald man versuchte sich auf die kleinen Tritte zu stellen brachen diese ab. Zum Glück gab es eine Umgehungsvariante dieser Stelle. Alles in allem sehr krümeliger Fels und lediglich die erste und letzte Länge (Der Umgehungsvariante) sind lohnend.
Roby in Tafunata mit " Dos de Elefant" im Hintergrund

Hübsche Strukturen....

...aber ein Sinnloser Hängestand 2 m neben diesem tollen Sitzplatz.

Da wir ja alle Zeit der Welt hatten konnten wir uns das Trauerspiel bzw. das Anstellen von 10 Leuten im "Dos de Elefant" anschauen.

Das Wetter wurde leider so schlecht das wir die Insel vorzeitig Richtung Heimat verlassen mussten. Dennoch war die Statistik nicht schlecht: Von den 10 französischen 8er konnten wir 6 probieren und 4 Klettern ehe das Wetter schlecht wurde.
Nach 6 Tagen Hitze kam das Mittelmeertief und machte unserem Schaffen ein Ende.

Noch eine Bemerkung am Ende: Das Klettern in Korsika ist zwar schön aber die Zustiege sind nie kurz weshalb ich auf jeden Fall das mitführen einer Stirnlampe empfehle. Bei unseren 6 Klettertage hatten wir ohne Abseilen über 17 h zu Fuß laufend zurückgelegt.
Wer nach Korsika fährt sollte gut zu Fuß sein den die Zustiege sind lang und voller Dornen. Wer eine kleine Gartenschere dabei hat ist gut beraten.

Freitag, 5. Januar 2018

Madagaskar Vortrag am Mo. 15.01 um 18:00 Uhr beim SBB

      Madagaskar Vortrag am Mo. 15.01 um 18:00 Uhr beim SBB.
Wer also noch mehr Bilder sehen und die Geschichte live hören will den sehen wir am Montag.

p.s. Wir zeigen auch gerne wie man den Gurt und das Abseilgerät improvisiert. Bequem ist zwar anders aber es hat uns schon mehr als einen Klettertag gerettet.  :-)

Donnerstag, 2. November 2017

Motivation ist alles (eine Frage des Alters?)


 
Im Frühtau zu Berge


Der Pontione A'lnasca mit dem Skorpionbiwak im vordergrund


Die Arme sind platt und die Einzelzüge gehen einfach nicht. Nach über 30 Minuten gebe ich auf. Ich sehe was ich an der Stelle machen muss aber ich kann den Griff nicht halten. Bei 7b+ passiert das nicht oft und schon gar nicht wenn man gerade mal 7 Längen geklettert ist. Naja man wird halt alt. Vielleicht war es ein Zeichen, dass ich auf dem großen Band mehrfach vor dem Einschlafen war. Es ist schon komisch sich daran zu gewöhnen alt zu werden aber die 4 vorne rückt halt immer näher. Noch vor 5 oder 10 Jahren war es egal ob man nach 10 h Autofahrt und quasi ohne Schlaf mehrere Stunden zum Einstieg gelaufen ist. Danach konnte man immer noch gut klettern.
Jetzt ist man nach einer Woche Arbeiten und mit Kinder rumtoben wahrscheinlich so vorgeplättet, das man die 9 h Fahrt und den 4 h Zustieg nicht mehr so gut wegsteckt. Aus dem Grund hängen wir halt etwas durch. Da wir keine vorschnellen Entscheidungen treffen wollen seilen wir zum Band ab und lassen das Seil hängen. Dann erst einmal Essen und Schlafen morgen wissen wir mehr.
Ein klein wenig bedenken das es zu kalt wird haben wir zwar aber was solls.
Issy hatte deshalb heimlich einen 2. Schlafsack eingepackt, weil ihm der Daunenschlafsack nicht warm genug ist. Dazu sollte gesagt werden das in Patagonien in einer Woche Schneesturm dieser Schlafsack warm genug war. Während ich dort zwei deutlich wärmere Schlafsäcke dabei hatte, habe ich jetzt nur einen dünnen Daunenschlafsack. Da kann man schon mal Angst vor der Nacht haben. Wie ich Issy in Patagonien eine Daunenjacke geborgt hatte, habe ich jetzt seine um die Füße gewickelt. So ging es mit 2 Daunenjacken in den Schlafsack und noch bevor ich richtig lag war ich eingeschlafen.

Bequem aber etwas stachelig
Porte Interiori 1.SL nach dem Band


Porte Interiori, 4.SL
So sah es im Biwak aus. Es war alles da.

Zum Glück zogen über Nacht  Wolken auf und es wurde nicht so kalt. Dennoch entschieden wir uns am Morgen zum Skorpion Biwak abzusteigen um einen Ruhetag zu machen. Diesen verbrachten wir mit Essen und Schlafen. Das Biwak ist eine echte Augenweide und sehr schön gelegen. Da wundert es mich nicht, dass manche Leute nur aus diesem Grund den langen Zustieg in Kauf nehmen. So erholten wir uns im Hotel Skorpion bis es früh wieder zeitig los ging. Wir planten zwar die kommende Nacht wieder auf dem Band in Wandmitte zu schlafen aber daraus wurde dann leider nichts. Beim Aufstieg zum Band schien alles ganz normal weil wir uns bewegten. Als wir jedoch an unserem Seil zur Crux von "Porte Interiori" aufstiegen merkten wir wie kalt der Fels und die Luft war. Es war nahezu unmöglich im Schatten zu klettern. Als die Sonne gegen 10:30 Uhr in die Schlüssellänge kam ging es zumindest halbwegs. 

 
Der Trick beim schnellen aufstieg mit der Brusikschlinge ...
... liegt darin hoch anzutreten.



Nach längerem Bouldern fand ich für alle Züge eine Lösung außer für den Untergriffzug überm 2. Haken. Für diesen war ich einfach zu klein. Aus dem Seil sitzend kam ich oben gerade so an aber nicht wenn ich mit den Untergriffen vorher aufgestanden bin. Dafür musste ich mich zu sehr strecken und auf die Zehenspitzen gehen.  Da hilft nur wachsen denn 168 cm sind gelegentlich doch ein Zentimeter zu wenig. Unser Plan B war es den unteren Teil von "Futura" zu machen um nach der Nacht den oberen Teil zu klettern aber die Sonne kam viel zu spät in die Wand als das die 8h Heimfahrt noch machbar wären.
Sonnig aber leider zu klein, Die Crux zum 2. BH ging noch die nach dem 2. BH leider nicht mehr.

Impronte dorso in un story infinita, die längen sind so kurz, dass man immer 2 klettern kann.



Um doch noch eine Route geklettert zu haben stiegen wir in "Impronte dorso in un story infinita" (7b, 11Sl) ein und waren 4h später wieder auf dem Band. War nicht die beste Route und für meinen Geschmack zu viele Bohrhaken aber die Aussicht war schön und die Bewegung hielt uns warm
Die Alternative zum Frieren war wieder einmal der Monte Eos und perfekt für den Heimreisetag. Mit diesem Ziel vor Augen stiegen wir schweren Herzens die 3h ins Tal ab. Das 4h Zustig wegen 5 cm zu wenig umsonst waren ist schon etwas bedrückend.




Der Monte Eos ist eine Perle der Mehrseillängen Kletterei im Gneis und selten habe ich so tolle Strukturen gesehen wie dort. Felsadern, Löcher und ganz tolle Reibungskletterei wartet dort auf die Aspiranten. Der Zustieg kam mir nach dem 4h Zustieg vom Samstag mit 1,5 h unheimlich kurz vor. Ich freute mich weil es bereits morgens deutlich wärmer als im Nachbartal war. Das lag zum einen daran, dass wir 700m tiefer waren und die Sonne kam deutlich eher bis zum Wandfuß und wärmte die Luft.
Ich habe zwar bereits einige tolle Route am Mt. Eos geklettert aber "Un Mondo Difficile" war mit Abstand die schönste davon. Die Kletterei war sehr abwechslungsreich nicht zu schwer und die Strukturen einfach nur der Hammer. Es war einfach nur ein Tag Genusklettern mit einer Absicherung die nicht langweilig war. Nur das im Topo angegeben Material ist etwas übertrieben. Es reichen 5-6 kleinen Friends (bis 0,75 Camelot) die schon nötig sind um die Route abzusichern. Mein persönlicher Favorit war die 3 Sl mit einer Quarzader die steil ist und mit Hammerzügen aufwartet. Da wir nur 6h brauchten um sofort Durchzusteigen ging es mal zeitig nach Hause und wir träumten beiden vom kommenden Jahr in den Alpen.

Der Hammer die 3. Sl von Un Mondo Difficile, Felsadern der besten Art.

Reibung ist schon was tolles. 2. SL



Und oben wartet die Alp mit alten Steinhäusern, was für eine malerische Gegend

Topo un Mondo Difficil

Montag, 25. September 2017

Urlaub vom Leben



Nun stehe ich in einer 800 m hohen Wand in Madagaskar und suche zitternd nach dem nächsten Griff. Eigentlich kamen in den Mulden bisher immer ein paar Griffe. Wenn nicht die Erst beste dann die Nächste. Doch auch die ist leider nichts, es ist alles glatt. Ich werde immer unruhiger und das nicht ohne Grund. Wenn ich jetzt falle, dann habe ich nur ein geborgtes 40 m altes Halbseil was den Sturz hält sonst nichts. Verzweifelt setze ich die Füße höher und trete die Flucht nach vorne an. Bisher hat dies immer funktioniert aber es kommt nichts zum Festhalten. Das Grasbüschel über mir ist zum greifen nah als plötzlich der Fuß wegrutscht. Ich habe mich immer gefragt wie wohl ein Sturz mit der Bohrmaschine auf dem Rücken ist, gleich würde ich es wissen. Die Zeit läuft auf einmal langsamer  und tatsächlich die Bohrmaschiee löst sich leicht von meinem Rücken und begleitete mich auf meinem Weg ins Tal. Lange passierte nichts, eigentlich viel zu lange. Vielleicht war doch keine so gute Idee unsere Erstbegehung mit dem alten Halbseil anzufangen? Wie kam ich eigentlich in diese Lage?
Links von dem Pfeiler mit der Kugel oben drauf unmittelbar links der Kante, dieser Streifen war das Ziel unserer Reise. Ob dieser Streifen überhaupt kletterbar ist wussten wir nicht.


Wir wollten nach Madagaskar fliegen um einer 600 m Wand auf einer so direkten Linie Erstbegehen das wir mehr als nur etwas Glück benötigten.
Wie geplant ging es von Frankfurt über Paris direkt nach Antananarivo. Dieses mal wollte ich den Zwischenstopp in Kenia vermeiden, weil die Hälfte von unserem Gepäck das letzte Mal dort vergessen wurde. Leider nützte uns dies wenig, denn in Paris blieb ein Teil unseres Gepäcks zurück. Was genau fehlte, konnten wir nicht sagen, denn um das Risiko des Totalschadens, so gering wie möglich zu halten, wurde das Material gleichmäßig in denn 4 Säcken verteilt. Im besten Fall konnte wir so selbst beim Verlust von 2 Gepäckstücken noch was aus dem Urlaub machen. Es war bereits nach Mitternacht, als ich mit der Dame am Gepäckschalter, eine Lösung in gebrochenem Französisch gefunden hatte. Air France würde angeblich das Gepäck bis zu einem Hotel nachliefert das klingt doch erst mal gut. Leider ging das bei uns nicht, denn die letzten 20 km gab es nicht einmal eine Strasse. Ich hatte jedoch die Telefonnummer von Patrick angegeben, der das Camp Mada betreibt und dafür gesorgt, dass er mein Gepäck entgegennehmen darf. Mal sehen ob das klappt. Im Hotel hatten wir nach kurzer Inventur folgendes Material dabei:
Warten auf das Gepäck. Wenn auf dem Heimflug ein Sack zu spät kommt ist das nicht so schlimm aber auf dem Hinflug kann dies das aus für den Urlaub sein.

Eine 70 m Materialleine Durchmesser 6 mm, 80 m Statikseil, einen Klettergurt, 9 Expressschlingen, ein Abseilgerät, einige Karabiner, jeder ein paar Kletterschuhe sowie unsere Ausrüstung zum Camping und zum Erstbegehen.

Das wichtigste was fehlte war also ein Seil zum Vorsteigen sowie das Rollbrett. Also konnten wir es riskieren loszufahren, ohne mehrere Tage und ggf. vergeblich auf unser Gepäck zu warten. Notfalls könnte man auch mit der Materialschnur klettern weil diese angeblich 2 Normstürze hält. Diese Vorstellung war mir allerdings so zu wieder, dass ich Alpträume davon bekam. Selbst wenn man diese doppelt nehmen würde würde ich mich gruseln.
Chris-Jan auf der mehr oder weniger entspannten Fahrt ins Camp.

Nach 14h Fahrt kamen wir im Camp an. Am Morgen sortierten wir das Material und bevor es zum Klettern ging fragte ich im nächstgelegenen Dorf ob eventuell irgend ein altes ausgedientes Kletterseil vorhanden sei. Irgendwann wurde ich fündig wenn auch nur ein altes von Kletterern ausgesondertes 40 m Halbseil.
So ging es Mittags zum Einklettern an die nur 250 m hohen Lemur-Wall, wo wir erst einmal das 8 mm Halbseil und die 6 mm Materialschnur als Doppelseil verwendeten. Da die Längen meist 50 m lang waren mußten wir einige Meter simultan klettern. Als 2. Gurt diente die Bandschlinge die an der Bohrmaschine als Trageriehmen gedacht war. Zum Abseilen musste ich etwas improvisieren und baute mir mit einigen Karabinern eine Stichbrems. Das war zwar nicht toll aber OK. Wir genossen die Kletterei und fühlten uns bereit für mehr.
Erster Tag Klettern mit improvisierten Gurt und dem geborgten Halbseil.

Bei mir fehlte dagegen das Abseilgerät aber auch da konnten wir improvisieren.

Da wir nicht wussten wie lang wir noch mit dem wenigen Equipment auskommen mussten wollten wir die Erstbegehung lieber eher anfangen als später. Aus diesem und andern Gründen klingelte der Wecker noch mitten in der Nacht. Als wir mit 200 Bohrhaken und anderen schwerem Gepäck beladen zum Einstieg marschierten, schlief noch alles. Die Rucksäcke waren erdrückend schwer, jedoch ohne die brennende Sonne angenehmer zu tragen. Wir warteten beide schon gierig darauf unsere Route live zu sehen und nach und nach das Neuland für uns zu erobern. Die Linie war ein 600 m langer brauner Wasserstreifen eine von der Natur vorgegebene Linie. Ob diese Schnurgerade genug Griffe aufweisen würde oder ob stellenweise keine kletterbaren Strukturen vorhanden sind wussten wir nicht. Doch genau das war der Reiz des Neuen.
Der Sandsteinrambo im Granit. Hier mit geladener Bohrmaschine und 200 Haken. Die Haken mußte der Nachsteiger beim Jümarn im Rucksack mitnehmen bis unser Rollbrett endlich ankamm.

Beim ersten Sonnenstrahl stieg ich in die Wand ein. Damit es schneller ging kletterte ich mit umgehängter Bohrmaschine am einlitzigen Halbseil. Da dieses nur 40 m lang war hängten wir auf den ersten 20 m immer nur den letzten gebohrten Haken ein damit wir auch 60 m Seillängen einbohren konnten. Das Halbseil verlängerten wir dann mit dem Statikseil was ja 80 m lang war. Da der Seilzweite mit allen Bohrhaken und Material im Rucksack aus Mangel am Rollbrett hinterherjümart, war der Knoten auch egal. So stiegen Chris-Jan und ich abwechselnd Länge um Länge vor und bohrten meist freistehend oder aus der Kletterstellung. Da es bisher nicht zu schwer war kamen wir gut und ohne zu stürzen voran. Etwa 2 Stunden brauchten wir für jede neue Länge. Die Freude über die tollen Strukturen waren groß und jeder von uns zeigte dies auf seine Art oder nach seinem Namen. Bei der 3. Länge war ich wieder an der Reihe und ich musste beireits einmal wild schnappen um weiter zu kommen. Noch wenige Meter trennten mich von einem dieser Grasbüschel die immer wieder in der Wand hingen und auf welchen wir gerne unsere Standplätz bohrten. Chris-Jan nannte diese liebevoll Pittys nach dem frechen Kobold Pittiplatsch, weil diese wie dessen Haare aussahen. Kurz vor diesem Grasbüschel trat ich die Flucht nach vorne an und flog aus der Wand. Die Bohrmaschine löste sich vom Rücken und ich wartete darauf, dass das Seil sich straffte. Es passierte lange nichts, viel zu lange. Erst als sich das Seil unendlich langsam straffte atmete ich auf. Nach Pit Schubert dem ehemaligen Sicherheitspabst des DAV reißt ein Seil ja nur wenn es über eine scharfe Kante läuft. Doch je länger der Fall dauert um so mehr Zeit hat man zum Nachdenken. Als ich mich vom Schreck erholt hatte, wurde mir auch klar warum dies so war, denn Halbseile haben meist eine größere Dehnung. Ich gruselte mich immer noch und machte deshalb lieber einen Haken mehr. Als ich dann dem Pitti aufs Haupt stieg und der Stand fertig war, wanderte mein Blick nach oben. Es war steil und es sah sehr glatt aus. Ob das zu klettern geht?
Immer der Nase nach und das Ziel der Headwall vor Auge. 4.Sl


Darüber thronte noch die überhängende Headwall, ein weiteres Fragezeichen? Zwei weitere Seillängen eroberten wir an diesem Tag noch. Damit hatten wir ein Drittel der Wand bereits geklettert. Vom tollen Fels schwärmend und  voller Freude ging es zurück zum Camp. Dort freuten wir uns noch mehr, dass unser Gepäck endlich wieder vollständig war. Damit waren wir nun endlich bereit dem Erdboden für einige Tage lebewohl zu sagen.

Nach einem Ruhetag ging es wieder mitten in der Nacht los. Die Rucksäcke waren diesmal nahe der Schmerzgrenze. Mit fast 30 l Wasser,  Essen für 5 Tage und Schlafzeug zusätzlich zum Klettermaterial, war dies auch kein Wunder. Gegen 9:30 Uhr hatten wir unsere alte Höchstmarke erreicht und wir drangen weiter vor ins Neuland. Der beste Spruch des Tages kam von Chris-Jan der nach 35 m Vorstieg meinte, in 15 m wäre er am Fuße der Headwall. Das irritierte mich etwas, aber als es nach weiteren 30 m immer noch 15 m waren,  zeigte dies wie sehr man sich in einer so großen Wand täuschen kann. Im Nachhinein hatten wir in dieser Länge noch einen optionalen Zwischenstand gebohrt, damit auch Seilschaften mit 2 x 60 m Seilen die Route klettern und abseilen könnten. Ich war nun an der Reihe, den ersten Teil der Headwall zu probieren. Nach 15 m wurde es überhängend und auch die Griffe waren klein. Ein Griff oder ein Tritt weniger und unsere Route wäre hier nicht kletterbar. Nach einigen Stürzen und dem Ablegen der Bohrmaschine zum späteren hochziehen am Materialseil war ich etwas leichter und dadurch einen Haken weiter. Zwei Züge am Haken mußte ich aus Zeitgründen weglassen, diese waren aber vorstellbar. Es blieb schwer und ich musste mich mächtig ins Zeug legen dranzubleiben. Weiter führte ich die Sturzstatistik an und mehr als einmal bohrte ich die Haken aus wackeligen Skyhooks in Hüfthöhe damit diese fürs Klettern perfekt sitzen. Unser Anspruch an unsere Route war, dass die Haken so gut wie möglich in einer Linie stecken und sich optimal vor den schweren Stellen einhängen ließen. Um dies zu gewährleisten mussten auch mal Haken weiter unten als nötig gebohrt werden. Wir wollen ja das zukünftige Kletterer diesen Weg als die Königsdisziplin beim Erstbegehen großer Wände sehen. Auch wenn wir uns selber damit die Möglichkeit nahmen mit diesem "theoretisch 1 m höher sitzenden Haken" mehr Neuland mit weniger Haken zu erschließen. Dies war gegen unsere Prinzipien. Auch ein im Nachhinein versetzen des Hakens zur Verbesserung der Seilführung wo dies nicht mittels langer Expressschlingen realisiert werden konnte, schlossen wir nicht aus und würden dies am Ende beim Abseilen über die Route vornehmen. Es kann ja durchaus mal passieren, das man bei 600 m und ca. 200 geplanten Haken einen verkehrt platziert. Die Kletterei blieb Anspruchsvoll, aber der Boulder am Beginn der 100 m Headwall blieb vorerst die Crux. Die Strukturen wurden jetzt zu großen runden Löchern, wo sich auch endlich die Möglichkeit bot, einen Standplatz zu bohren. Auch hier wollten wir Perfektion walten lassen. Was nützt eine Linie die 600 m lang schnurgerade einem Wasserstreifen folgt, wenn die Stände immer kurz oberhalb bzw. kurz unterhalb der logischen Struktur für einen Standplatz liegt. Da man dies beim Erschließen von unten nicht sieht und viele Mulden wie Bänder aussehen wählten wir folgende Strategie: Wenn wir uns nicht sicher waren ob dies der geeignete Ort für den Stand war ließen wir uns zum vorletzten Haken ab und verbanden diese.
Hier war das nicht nötig, denn in der 100 m leicht überhängenden Wand gab es keine Bänder lediglich ein paar Mulden wo man besser stand.
Der Begin der Headwall zu Greifen nah aber troz der 65 m Länge (6.SL) wurde diese nicht erreicht.

Obwohl es in weniger als einer Stunde dunkel sein würde, bohrte Chris-Jan noch die ersten 8 BH, in der zukünftigen Crux. Damit wir etwas mehr als 2 SL am heutigen Tag gebohrt hatten. Erst später sollte ich erfahren welche Meisterleistung er beim setzen der Haken vollbracht hatte, denn sie steckten perfekt, jedoch die Stellen für den Skyhook waren wirklich winzig. Am nächsten Tag forderte diese Länge noch einmal 4h schwere Arbeit, wobei er bis auf einmal immer mit Bohrmaschine kletterte. Danach war Chris-Jan verständlicherweise völlig verschlissen. Den Rest des steilen Geländes kämpfte ich mich hoch und führte damit die Sturzstatistik wieder. Die Stellen welche mir am besten im Gedächtnis blieben, war eine Folge von Schnappern in der Mitte des braunen Streifens und der finale Mantler auf die Reibung wo man endlich wieder freihändig steht. Es war dunkel, als wir das Portaledge zum 2. Mal aufbauten und die Bilanz des Tages waren gerade mal 1,5 Sl. Jedoch lag die Headwall und somit das größte Fragezeichen hinter uns.
8. SL und 2.Länge der Headwall. Anhaltend schwer und ungewöhnlich Steil für Madagaskar.
Die 9. SL und der letzte Teil der Headwall waren wieder mein Vorstieg und benötigten auch einige Stunden. Auch diese Länge blieb spannend bis zum Schluß.

Die 10. SL und endlich wieder etwas leichter. Da bohrt sich eine Länge wieder entspannt in 2h. Die meisten Haken ließen sich freistehend bohren.
Am nächsten Tag noch vor dem Mittag waren wir mit den letzten zwei Längen durch und seilten über die Route ab. Da ich unbedingt alle Längen ohne Ruhen durchsteigen wollte, schaute ich mir auf dem Weg talwärts die Längen von Chris-Jan an. Um Kraft und vor allem Haut an den Fingern zu sparen sind wir die Längen des Anderen beim Bohren mit Steigklemmen nachgestiegen. Ich brauchte meine letzte Haut und Kraft, um alle Längen der Headwall auszubouldern. Leider konnte ich 2 m nicht ausbouldern, weil der Stand mit den ganzen Säcken genau in einer schweren Stelle steckte. Idealerweise müsste der Stand ca. 10 m höher, denn dort war endlich ein no-hand-rest. Doch das sollte erst nach dem Durchstieg erfolgen, der zur Zeit noch undenkbar schien. Zudem gingen 3 Züge, in einer meiner Längen, vor Erschöpfung nicht mehr. Ich legte mir hier eine Variante zurecht, und es ging sehr müde gen Tale und zurück ins Camp. Was wir jetzt unbedingt brauchten war ein Ruhetag undbreichlich Eierkuchen.


Da mein Handy leider ohne erkennbaren Grund den Geist aufgab ist der ausführliche Post alleine Chris-Jan zu verdanken der mir sein Handy immer wieder zum Schreiben borgte.

Lalan'i Mpanjaka aka Camino del Rey 8a+ , 11 Sl 600m, (7b ob)

Topo Lalan'i Mpanjaka (auf deutsch: Königsweg)

 
Topo Lalan'i Mpanjaka (auf deutsch: Königsweg)

Noch bevor wir uns richtig ausgeruht hatten, ging es nach einem Tag im Tal wieder in die Wand. Eigentlich waren zwei Ruhetage angesetzt, damit sich die Haut ausreichend regenerieren kann, aber einer in der Gruppe war so heiß drauf, wieder in die Wand zu kommen, dass wir nach dem ausgiebigen Frühstück, kurzentschlossen den Aufstieg antraten. Der Fels war von der Sonne so heiß, dass die Finger beim Berühren schmerzten. Es war zudem so schwühl, dass wir uns schwerfällig bewegten. Es ging mit einer kurzen Reibungsstelle für 7a+ gleich in der 1. Länge los bevor es am Ende der 3. wieder 7b wurde. Dabei gab es alle möglichen genialen Strukturen. Egal ob Platten, Mulden, Aufleger oder kurze Querrisse die als rettender Zielgriff in der Wand erschienen. Es folgten 2 schwere und schöne 6c+ und alles fühlte sich von den Bewegungen an wie ein blauer Parcours in Fontainebleau. Ab der 6. Seillänge war nichts mehr leichter als der französische 7. Grad. Chris-Jan hatte hier eine ausgesetzte 65 m 7b+ hingezimmert, die mit weiten Zügen an Leisten und Rippen, einiges vom geneigten Wiederholer abverlangt. Es war mittlerweile schon spät als ich in die erste Headwall-Länge einstieg. Mit den guten Schuhen und bessere Haut gelang die Boulderstelle mit ihren 12-13 schweren Zügen sofort. Auch die Haken steckten perfekt, so das ich zufrieden zum 7. Stand klettern konnte, wo unser Portaledge hing. Kurz bevor es dunkel wurde, war Chris-Jan bei mir, und wir richteten uns gemütlich für die Nacht ein. Da der Vollmond gewichen war, konnten wir den genialen Sternenhimmel mit seiner unendlichen Weite über uns bestaunen. Dazu ausgesetzt in einer steilen Wand zu hängen ist wahrscheinlich meine Vorstellung von Freiheit. Dieses Erlebnis mit Freunden zu teilen, ist für mich das Größte. Vielleicht kann ich dieses Gefühl irgendwann mal mit meinen Kinder teilen, falls sie die Liebe zum Klettern für sich entdecken.
Endlich wieder in unsere Route. Da es sehr warm war stiegen wir Nachmittags ein, denn die Route war immer den halben Tag im Schatten.

Beim Ausboudern der mittlerren und schwersten der 2 Headwall Längen (SL 8)

Chris-Jan im Nachstieg bei der 8. Sl. Der Blick ist nicht nur Steil sondern auch geil.

Am nächsten Tag ging es wegen der Sonne erst Mittags mit dem Klettern los. Bis dahin chillten wir mit Musik auf dem Portaledge und ließen die Gedanken schweifen. Die verbleibenden 100 m Headwall thronten über uns. Auch das Zusammenpacken des Portaledge und das Sortieren des Materials brauchte seine Zeit. Das ist auch gut so, um morgens etwas Bewegung zu bekommen. Ich boulderte die verbleibenden 2 m aus und fand links herum ein Variante die sich gut in die homogene Kletterei einfügte. Nur der Stand musste aus dem Überhang raus, 4 Haken höher auf die Platte. Der Durchstieg lief wie am Schnürchen. Die weiten Leisten und Schulterzüge saßen und waren selbst mit meinen 1,68 m noch machbar. Es blieb aber die ganzen 60 m schwer und zum Teil stützte ich die Leisten durch um die Füße hochzubekommen. An der Stelle wo Chris-Jan vor Erschöpfung und etwas Verzweiflung beim Erstbegehen den Stand bohrte wurde es noch mal schwer ein unangenehmer Dynamo und 3 sehr weite Züge führten in flacheres Gelände und weiter oben zum logischen Stand den wir später hochsetzten. Nur noch eine schwere Länge und wir hatte die Headwall hinter uns. Die 9. Länge war etwas kürzer aber mit sehr vielen weiten Zügen im grauen Streifen gespickt. Es gab hier mehr als eine Stelle, wo ein Griff weniger das Aus für diese gerade Linie gewesen wäre. Zum Abschluß gab es noch einen Mantler auf die Reibung und 20 m leichte Kletterei. Juhu es war geschaft. Etwas zittrig vor Anspannung konnte ich den letzten Teil der Headwall durchsteigen. Auch Chris-Jan stöhnte mehrmals bei den weiten Zügen auf, stieg aber sofort durch. Es folgten noch zwei technische 7 er mit kleinen Überhängen und tollen Wasserrillen. Hier oben fand unsere Linie, der Graue Streifen, seinen Anfang und unsere Route ihr Ende. Als Respekt zur Sprache der Einheimischen wurde der Routenname in Madagassi vergeben. Wir machten uns ans Abseilen obwohl der kürzeste Weg direkt zum Einstieg der freie Fall wäre. Wie so oft beim Erstbegehen fällt mal etwas zu Tale. Egal was und wo uns bei diesem Königsweg etwas hinunter gefallen ist, es lag immer genau am Einstieg.
Ursprung des Wasserstreifens und letzte und 11. Länge unserer Route. Tolle Wasserrillen zum Schluß.

Unsere Symbolische Interpretation für den Königsweg.

Das Kreuz des Südens geht am frühen Abend hinter dem Tsaranoro unter.


Nach unserer Erstbegehung war die Luft erst einmal raus. Ein klarer Fall von Ziel erreicht mit anschließendem Sommerloch. Wir machte erst mal 2 Ruhetage wobei dies der Haut auf unseren Fingern sehr gut tat. Wir wollten unbedingt noch ein paar Routen klettern, nicht zuletzt um sowohl die Qualität als auch die Schwierigkeit mit  unserem Königsweg zu vergleichen. Deshalb probierten wir einen Tag lang Mora Mora und kletterten bis in die Crux. Bereits vor der Schlüssellänge mussten wir feststellen das gelegentlich 2 cm tiefe Bohrlöcher zwischen den Haken war. In der Schlüssellänge häufte sich das und dazu kam, dass die Haken nicht dort steckten wo man lang klettert. Obwohl wir mit Portaledge, Essen und Trinken für 4 Tage ausgerüstet waren fanden wir das so blöd das wir abends vielleicht etwa zu vorschnell abseilten. Wir hatten ja bei unserer Route versucht, die Haken für die Wiederholer so perfekt wie möglich zu setzen, und hier war das Gegenteil der Fall. Wenn man sich einen Haken wünscht oder mal nicht weiter kommt, grinst einen so ein Bohrloch an. Die Bohrlöcher stammten wahrscheinlich von den Erstbegehern die sogenannte Removable Bolts verwendet haben. Dies sind Klemmgeräte die wie ein Friend Funktionieren und für Bohrlöcher verwendet werden. Als ich zum ersten mal davon hörte war ich begeistert. Ich dachte damit kann man endlich die Haken dort platzieren wo sie hin gehören. Ich musste schnell lernen das ich mich da geirrt hatte. In Marokko kletterte ich mal Shucram, eine Route von Tony Arbones, der sich "Heldenhaft" mir der Benzinbohrmaschine nach oben gebohrt hatte. Etwa aller 2 m war ein Loch und in jedem 4. Loch war ein Bohrhaken. Diese steckten zwar in einer Linie, waren aber beim Klettern meist blöd einzuhängen. Ist ja auch logisch, der "Erstbebohrer" hat diese ja auch nicht aus der Kletterstellung erreicht. Jedenfalls finde ich es mitlerweile als schlechten Stil, solche zu verwenden. Da der Wiederholter diese fast nie sieht und immer benachteiligt ist. Ein Kompromiss wäre noch, dies auf dem Topo als verwendetes Material anzugeben. Bei Seillänge Klemmgeräten und Anzahl der Expressschlingen macht man es doch auch so. Warum nicht bei allem so ehrlich sein, wenn man diese braucht. Schade wenn das Ego da im Wege steht. Leider war bei den folgenden 2 Routen das gleiche der Fall, wodurch trotz der schönen Ketterei, ein fader Beigeschmack, beim Klettern aufkam, und künstlich erzeugte obligatorische Schwierigkeiten auf den Wiederholer warteten.
In der Schlüssellänge von Mora Mora



Vazaha m' Tap Tap 8a+, 650 m

Topo Vazaha m'Tap Tap (Crazy white men)

Eigentlich eine tolle Linie an einer Kante lang. Die Cruxlänge hat tolle Stukturen und ist in einer rechten und linken Variante gebohrt. Wir haben die rechte gewählt wo mit 7b+ die obligatorische crux und mit RP 8a+ die Schlüssellänge liegt. Die linke Variante wurde sich hochgebohrt ging aber wahrscheinlich oben nicht auf, weil da ein alter Karabiner hing. Leider sind durch einen Absatz 3 bewachsene Seillängen dabei, was zum klettern sehr unschön war. Jedoch hat es ein bequemes Biwakband. Da Chris-Jan Angst um seine geborgten Isomatte hatte, haben wir das Portaledge mitgenommen. Nach dem Biwakband die Längen sind nicht so schwer wie angegeben aber besonders bei der 7c+ stecken die Haken echt besch... . An der entscheidenten Stelle stecken 2 BH rechts der Kante und man muß links queren. Die Erschließer halfen sich mal wieder mit Removable bolts, aber das nützte uns nichts. Da die Erstbegeher auch über 300 m Fixseile in der Route beließen, verwendeten wir beim entfernen dieser aus der Wand, einige Meter davon, um den entscheidenden Haken zu verlängern.
Schlüssellänge von Vazaha m'Tap Tap


Biwakband mit Portaledge

Die angebliche 7c+ ist zwar nur 7b* aber die Haken steken so besch... und dann noch das Loch für den Removeable Bolt, das einem das Leben hier mit Absicht schwer gemacht wird. Für die nächsten Seilschaften haben wir ein Seil altes stück Seil in den Haken gehangen.
über 300 m alte Statikseile sowie ein alter schlafsack haben wir aus der Route entfernt. Eine Sauerei das die Erstbegeher ihren Müll am Berg zurückgelassen haben.


Das allerbeste an der Route war der Blick auf unsere Kingline und der war atemberaubend.
Nach einem Ruhetag kletterten wir noch "Cumbre Flying Circus" und "King Luis und seine Asselbande"  und dann ging es zufrieden nach Hause.
Wenn man so klettern könnte wie die Lemuren, dann ist es nicht schlimm wenn der Klettergurt oder das Seil mal verspätet ankommt, denn da bäuchte wir es sicherlich nicht mehr.

Wer sich den Blogtitel bis hierher gemerkt hat und wissen will was es damit auf sich hat: Wie beschrieben versagte mein Handy ohne Grund in der Mitte des Urlaubs. Nicht nur das meine spannenden Ebooks damit in unerreichbare ferne gerückt waren, war auch alles andere Planungs- und Abzrechnungstechnische weg. Dadurch blieb mir viel Zeit zum Nachdenken, und außer dem Klettern, gab es keine Ablenkung. Auf der Fahrt zum Flughafen hatten gefühlt alle Einheimische ein Handy am Ohr, standen mitten im Leben und waren schwer beschäftig. Da wußte ich, ich hatte gerade Urlaub vom Leben. Weil wir wieder richtig Lust hatten am normalen Leben teilzunehmen stürzten wir uns mitten hinein.

Abschied vom Tsaranoro und Karambony am Morgen.
Zurück in der "Zivilisation"

Da ich es wichtig finde das andere nach Madagaskar reisen auch so etwas wie einen Führer Haben hier die aktuelle Zusammenstellung aller Topos die ich auftreiben konnte. Viel Spaß da draußen.

Topos:
http://www.steinfibel.de/madagascar/collected_topos_tsaranoro_valley_2017.pdf

Infos zur Anreise, Unterkunft und vieles mehr:
http://www.steinfibel.de/madagascar/gebietsinfos_tsaranoro_tal_klettern_in_madagaskar.pdf