Posts nach Themen sortiert

Montag, 13. Januar 2014

Guter Rutsch ins neue Jahr









Vom Bouldergebiet Cresiano ins Tal.

Nachdem der anstrengende Teil der Feiertage überwunden war standen 5 Tage zur freien Verfügung in Aussicht. Also 5 Tage Sport bis zum Umfallen und Zeit über sich und die Welt nachzudenken. Nach der stressigen Vorweihnachtszeit und den Feiertagen war dies genau das Richtige, wenn nur das Wetter mitspielt.

Die Vorhersage war sehr wechselhaft und so stand bis zur Abfahrt noch nichts genau fest, nur das Thomas mit von der   Partie sein würde. Thomas freute sich ebenfalls über eine Auszeit vom Lernen und so ging es los in Richtung Tessin. Auf der Fahrt entschieden wir uns erst einmal einen Tag Eisklettern zu gehen, weil das Wetter im Tessin noch zu schlecht war. Diesen Tag verbrachten wir in Averstal in Campsut wo Thomas seine ersten Eisklettererfahrungen macht. Eigentlich bestand die Überlegung zuerst den "Thron" oder "Diedrolux" zu Klettern weil wir Angst hatten es seien zu viele Leute in Campsut, weil nach Aussage des Gasthof Edelweis das gesamte Haus (bis zu 60 Betten) ausgebucht waren. Irgendwie stimmte das jedoch nicht, denn es stand nur ein Auto vor der Unterkunft und wir waren den halben Tag alleine in Campsut. Also Vorsicht bei den Aussagen der Wirtsleute, die wollen einem nur die Zimmer mit Vollpension aufquatschen. Nicht gerade die feine englische Art. Campsut war auch besser zum Anfangen und Thomas konnte sich erst einmal etwas Technik aneignen. Schon besser, als mit einem der schwersten und über 240m langen Eisfall "Thron" anzufangen.

Das Eis in Campsut war schön weich und man konnte sogar ohne Handschuhe Sichern so warm war es.
Dennoch wartete der Tag mit einer Überraschung auf uns. Ich schaute nicht schlecht, als mir im tropfnassen Eis die Haue eines meiner Eisgeräte abbrach. Ich konnte zwar noch mit dem verbleibenden Rest zum Stand Klettern aber eigenartig war das schon. Es war jedenfalls ein schöner Tag und genau der richtige Einstieg für Thomas und diese Eissaison.

Campsut links


Noch am Abend ging es ins Tessin wo es in Strömen regnette und so ging es die ganze Nacht hindurch weiter. Am Morgen lag sogar im Tal etwas Schnee also nichts mit Bouldern.

Da wir mit so etwas gerechnet hatten freuten wir uns auf den sonnigen Ruhetag und beim Morgenspaziergang durch die Boulder bekam Thomas schon mal den ersten Eindruck vom Tessin. Die nächsten zwei Tage wurde kräftig gebouldert und die halbe Kletterwelt traf sich im Tessin. Es war angenehm war in der Sonne und die Boulder waren am zweiten Tag so trocken wie man es im Tessin gewohnt war.

 Nach den zwei Tagen Bouldern war das alte Jahr quasi zu Ende. Der Plan fürs neue Jahr war durchaus sportlich. Wir wolten kurz nach 5:00 Uhr Aufstehen und uns auf den Rückweg machen. Da wir wieder am Averstal vorbei fahren würden stand dieses mal der Thron auf der Tagesordnung.
Der Thron im Averstal eine königliche Erscheinung.

So kam es dann auch und wir gingen gegen 7:30 bei -6 Grad vom Auto los. Mitlerweile war der Weg zum Einstieg gespurt und die Lawinengefahr war durch die Sonne der vergangenen Tage auf gering gesunken. Also ideale Bedingungen und was noch besser war, wir waren ganz allein.
Es ging etwas schleppend los aber die Routine kam langsam. Da die ersten Längen noch nicht senkrecht sind, lief das Wasser zum Teil über das Eis und die Eisgeräte zogen schmatzend ins Eis. Auch Thomas kam gut zurecht was man nicht als selbstverständlich betrachten kann, denn immerhin ist es sein 2.Tag beim Eisklettern. Als es began senkrecht zu werden und mich der Durst plagte stellten wir fest das unsere Thermoskanne mit dem Trinken noch immer am Einstieg stand und das wir die letzten 110 senkrechten Meter durstig Klettern müssen. Da der Vorstieg auf Grund der Beschaffenheit des Eises schweistreibend war und recht lannge dauerte quälte mich bald der Durst. Das Eis war eine Mischung aus SCHNee und EIS  kurz Schneis genannt. Die Eisgeräte verschwanden bis zum Anschlag im Schneis hielten aber nicht. Erst nach längerem Graben war der Schnee auf welchem Spritzwasser überfrohren war beseitigt und mann konnte wieder einen Meter für sich verbuchen. An Eisschrauben als Sicherungsmittel war nicht wirklich zu denken und ich war sehr froh, dass ich in einem Loch nach 60m etwas stabiles Eis für den Stand fand. Ich kam mir wie ein verdurstender in der Wüste vor und um mich herrum war alles aus gefrohrenem Wasser. Ich war so durstig, das ich mir erst einmal eine ordentliche Portion Wassereis genehmigte während ich Thomas sicherte. Eigendlich nicht schlecht, nur das die Geschmacksrichtung etwas mehr Abwechslung vertragen hätte. Auch wurde mein Mund recht kalt beim Genuss des Eisgetränkes.
Thomas im Nachstieg im Thron


Der Blick nach oben in die letzte Länge.
  Beim Stand bauen und den Blick nach oben hatte ich eigentlich keine richtige Lust mehr mich weiter im steilen Gelände über kleine Stufen nach oben zu Graben aber in der Zeit in der sich Thomas die 60m Läng hochkämpfte fasste ich neuen Mut und wir brachten das zu Ende was wir bereits so zeitig im  neuen Jahr angefangen hatten. Wir standen zusammen am Ausstieg im Sonnenschein und freuten uns über den gemeinsammen Erfolg.
Mit vielen guten Vorsätzen im und frischen Erlebnissen im Kopf ging es nach 8h Kletterei in 7h wieder zurück nach Hause wo unser Lieben auf uns warteten.

Wer sich an dieser Stelle fragt, ob es der Stress für die 5 Tage wert war, dem kann ich ganz sicher sagen Ja. Tolle Erlebnisse kann man nicht kaufen aber sie geben einem eine sehr kurze und intensive Auszeit aus dem Altag und man kann auch im Nachhinein noch lange von ihnen Kraft schöpfen.

Sonntag, 22. Dezember 2013

Anbouldern

Das Jahr geht zu Ende und damit wir nächstes Jahr wieder voll durchstarten können muss erst einmal wieder etwas Kraft in die schlaffen Muskeln bekommen. Also was ist gibt es da besseres als Bouldern?
Klar kommt einen das nach 1000 Meter langen Wänden immer etwas klein vor, aber spätestens wenn man sich Stundenlang die Hornhaut an einem einzigen Zug abgewetzt hat und dieser gelingt ist man begeistert.
Also braucht man nur noch etwas Hornhaut, ein paar Freunde und ein motivierendes Ziel.
Als wie gestern nach Modrin gefahren sind hatten wir nicht einmal im entferntesten mit Schnee gerechnet. Am Schneeberg sah dies dann ganz anders aus was vielleicht sogar dessen Namen erklärt. Durch den weißen Märchenwald bing es dann im Blindflug und ohne zu wissen wo die Boulder waren durch den Wald.
Foto Helmut Schulze

Irgendwann entdeckten wir diesen schönen Boulder an welchen wir uns eine Weile die Finger langzogen.
Ondra Benes reichte dann das Topo für den Block "Buttermilks" nach.


Foto  und  Topo von Ondra Benes
An Aussteigen war selbstverständlich nicht zu denken, den der Fels war mit einer Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. Dank Helmut könnt ihr auch diese schöne Stimmung erleben wie es im Märchenwald Modrin gestern aussah.
Foto Helmut Schulze
Foto Helmut Schulze


   
Ach ehe sich jemand aufregt, das Weiße an den Bäumen ist nicht von uns. :-)

Montag, 18. November 2013

Es lebe Spanien



Da sich das Jahr langsam zum Ende neigt und das Wetter bei uns immer schlechter wird, zog es uns in den sonnigen Süden. Eigendlich war etwas anderes geplant, aber zum Glück scheiterte diese Planung und so gab es Famillienurlaub in Spanien. Damit das Ganze so Kindertauglich wie möglich ablief, kam Doris ( Kerstins Mutter) mit um ein Auge auf Leopold zu werfen wärend ich mit Klettern beschäftigt war und Kerstin auf mich aufpassen mußte.
Obwohl es in Spanien (Terradets) für die Jahreszeit viel zu warm war und wir mehr als einmal in der Hitze dahinschmolzen, wurden die Einstiege mit tollen Mallereinen versehen und Leopold hat auch schon einmal Hand an den Fels gelegt. Alles in allem ein sehr entspannter ausgeglichener Urlaub wo es uns außer an Wolken an nichts fehlte.Auch trafen wir alte Freunde (Jai und Marin) welche wir 2007 in Australien kennen gelernt haben und mit welchen wir den Sommer 2009 in Squamish verbracht haben.
L'Anarkista 8b, Terradets, Photo Jai Crichlay.

L'Anarkista 8b, Terradets, Photo Jai Crichlay.

Terradets, Variation 8a, Photo Jai Crichlay.

Dies waren nicht die einzigsten bekannten Gesichter die wir trafen. So fühlten wir uns wieder einmal in der Mitte vom Nirgendwo wie zu Hause und Richtig wohl. Ja genau so muß Urlaub sein, aber leider waren die 2 Wochen wieder mal viel zu kurz.

Marin Bonk in Tartareu einem besch... Klettergebiet.

Es gab natürlich auch etwas Kultur und wie immer jede Menge zu Lachen und zu Klettern :-)

Leopold at the rocks

unserer Fahrer

Unser Seilteam.

..und unsere Kultur.


Dienstag, 15. Oktober 2013

Kurzvortrag über El Corazon bei den Bergsichten



Wem der Blogeintrag im Mai zu der Route "El Corazon" gefallen hat, am 17.11 um 10:00 Uhr Vormittags gibt es dazu einen Kurzvortrag bei den Bergsichten in der TU-Dresden.

Hier der Link zum Program:
http://bergsichten.de/programm_so_13.php#wettbewerb

Hier der Link zum Eintrag von Mai:
http://kayakandclimb.blogspot.de/2013/05/el-corazon.html

Also vielleicht sieht man sich bei den Bergsichten.

Montag, 7. Oktober 2013

Goldener Oktober



Bei schönstem Herbstwetter im Elbsandstein und der beginnenden Laubfärbung stand das lange Wochenende ugm den 3. Oktober an. Auf der einen Seite freute ich mich schon dieses letzte mal in den Alpen das Jahr ausklingen zu lassen auf der andern Seite war es schon komisch ins schlechte Wetter zu fahren denn die Vorhersagen waren alles andere als gut. Was solls sagten wir irgendetwas wird schon gehen und die ersten beiden Tage sahen annehmbar aus. Dieses mal war Issy wieder mit von der Parti und unser Ziel war vage. In der Nähe von Ulm entschieden wir dem von Süden kommenden Tief dadurch auszuweichen, indem wir im Norden der Schweiz bleiben würden. So war das schöne Wetter zumindest für den ersten Tag gewiß und wir mußten weniger fahren.

 Rätikon, Velocita Limitata 8a
Es war noch dunkel als der Wecker klingelte aber es regnete zumindest nicht. Meine Erkältung und die 5 Grad waren nicht gerade motivierend sich aus dem warmen Schlafsack zu schälen aber es mußte sein. Die Belohnung war auch sogleich ein sternenklarer Himmel. Während des Frühstücks packten wir die Rucksäcke und nach kurzer Fahrt nach Partnun ging es los. Die Bewegung und die aufgehende Sonne wärmte und belohnte uns fürs zeitige Aufstehen. Die Sonner war noch sehr intensiv und es war fast windstill als wir hand an den Fels legten. Es war schöner grauer wasserzerfressener Hochgebirgskalk der rauer war als es im Rätikon meist der Fall ist. Wir kamen die ersten Längen gut voran und es war bis zur 4. Sl, der Crux, schon anspruchsvoll aber nie bösartig. Die Sonner verschwand immer wieder hinter ein paar Wolken, aber frieren mußten wir nicht. Das Ambiente zeigte mir wieder, dass sich die Mühen immer lohnen in die Alpen zu fahren. Die 4. Sl ging besser als gedacht nur die Linie war etwas gesucht um nicht wie die Nachbarroute aussteigen zu müssen. Nur meine Kurzatmigkeit machte den Durchstieg spannend denn ich begann schon vor der Schlüssellänge zu hecheln wie ein Hund bei 40 Grad. Eigendlich war es nicht mehr weit bis zum Ausstieg, aber die kommenden 2 Längen hatten es in sich und die Route machte ihren Namen aller Ehre. Das Geschwindigkeitslimit war durch die unübersichtlichen Felsstrukturen und auch ein bißchen durch die nicht Logische Linienführung vorgegen. In Verbindung mit sportlicher Absicherung sorgte dies dafür, das wir erst kurz vor 18:00 Uhr wieder am Einstieg waren. Wenig später fing es an zu regnen und wir wußten das wir ein super Timing hatten.



 Scharfberg, Kein Wasser kein Mond 7c laut Topo (8a nach meiner Meinung)
 Das schlechte Wetter war nun zeitiger bei uns als gedacht da half auch der zeitige Start nicht. Als wir gegen 9 am Scharfberg waren regnete es. Obwohl die wand zu Teil trocken war half nur warten. Auf der einen Seite war ich froh, dass wir nicht einsteigen konnten, fürchtete ich doch erneut zu scheitern. 6 Wochen zuvor war ich bereits mit Thomas hier gewesen und wir konnten der 3. Sl welche im Topo als 7c eingestuft ist nach 2h gerade mal ein AF abringen und ein Rotpunkt erschien unmöglich. Dies lag zum einem daran, dass es extrem weite Züge waren aber auch, dass es keine Tritte in dem glatten Kalk gibt und man eine runde Wasserrille brutal anhangeln muß. Doch es kam damals noch schlimmer. Es gelang uns bei der letzten Länge (7b+ laut Topo) nicht einmal ein AF. In diesen Gedanken verlohr ich mich während des wartens und war hin und hergerissen zwischen Freude und Ärger über das Wetter denn die Fitness war definitiv nicht besser geworden in dieser Zeit. Als es aufklarte und die Sonne rauskam trocknete die Wand schneller als wir es schafften zum Einstieg zu Laufen es war sogar zu warm in der Sonne. Die bekannten Meter zur Crux gingen zügig wenn auch nicht leicht zu klettern. Beim alles entscheidenten weiten Zug nach links, wo ich meine gesamte Armspanne mobilisieren mußte und die Füße eher schlecht stehen stürzte ich nur 5 mal ehe ich den nächsten Haken erreichte. Nun folgt die rund Wasserrille ohne Tritte und ohne Ruhepunkt. Es bleibt quasi bis zum Stand schwer und die Züge sind alle so barbarisch weit das man auch im AF alles geben muß um hochzukommen. Nach dem ausbouldern bestand eine winzige Hoffnung das der Durchstieg gelingen könnte also war ich schon mal ein Stück weiter als das letzte mal. Nachdem Issy ausgiebig die Züge einstudiert hatte um sich das von mir gesetzte Bier für den Durchstieg zu verdienen setzte ich den ersten Versuch. Am weiten Zug nach links tropfte ich chancenlos ab weil ich den Griff nur halb hatte und die Spannung fehlte. Der nächste Versuch begann ähnlich, nur das ich mich nach links kippen ließ bevor die Körperspannung zusammenbrach. Dabei griff ich 2 mal weiter und konnte den Schwung abfangen. Ohne zu zögern ging es weiter und jeder Zug fühlte sich wie Abfallen an. Die Arme wurden dick die Finger krampften und an chalken war nicht einmal zu denken. Als die Griffe besser wurden spürte ich diese nicht mehr unter den Fingern und klettert automatisch weiter. Ein erschöpfter Jubelschrei entfuhr mir als ich am Stand ankam und ich wußte ich hatte deutlich mehr kraft aufgewendet als gut war. Diese Länge war erst mal geschafft aber war noch Kraft übrig für die letzte Länge? Ich verdrängte diesen Gedanken und feuerte Issy an, welcher leider ganz knapp scheiterte. Zum Glück hatte er dadurch noch Kraft die letzte mit 7b+ bewertete Länge vorzusteigen. Die Züge waren knüppelhart und erneut extrem weit. Issy meisterte dies mit Bravur im Gegensatz zu mir. Ich war so platt, dass ich für das Ausbouldern eine Stunde brauchte. Ich kam als geschlagener Mann am Ausstieg an und obwohl ich an einem Durchstieg zweifelte machte ich 15 min Pause. Da dies Issys Vorstieg der Wechselführung war, mußte ich wenigstens nur Nachsteigen. Bei diesen extrem weiten und dynamischen Zügen war mir das ganz Recht denn es gab nur 3 Haken. Issy lies mich also ab und ich kämpfte mich nach oben. Ich konnte kaum noch aufrecht stehen als ich am Umlenker ankam. Wir freuten uns diese scheinbar riesige Wand bezwungen zu haben und waren vollkommen am Ende, da berührte das 70 m Seil den Erdboden direkt vom Ausstieg aus. Das war dann schon ein wenig deprimierend. Eigenartig war auch das die Route vom Vortag deutlich leichter schien als Kein Wasser kein Mond. So korrigierte ich die Berwertung (für Leute unter 1.70) der 3. Sl auf 8a und der 4.Sl auf 7c. Der darauffolgende Abend entlohnte uns mit vielen Sternen für diesen tollen Tag. Doch das Wetter hielt nicht, denn am nächsten Morgen regnete es in strömen. Da Ruhetag war spielte dies keine Rolle. Nach Konsultation verschiedener Wetterberichte entschieden wir uns auf die Alpensüdseite ins Tessin zu fahren. Dort regnete es nicht und für den Sonntag war sogar etwas Sonnenschein angesagt also die besten Aussichten.


 Mont Eos, Va Pensiero 7b+
 Zwei mal habe ich schon versucht zum Mont Eos zu kommen, aber das Wetter war jedes mal zu schlecht. Obwohl in einem Führer erwähnt wurde das einige Routen regensicher sein, war es mir zu riskant bei strömenden Regen einen Zustieg von 2 Stunden zu wagen. Also das richtige für eine wechselhaftes Wetter wie angesagt und falls es doch regnen sollte gab es ja einen Plan B. Wir liefen noch im Dunklen los und es dauerte fast 2h bis wir am Einstieg waren. Die Wolken hingen Tief, aber es regnette zumindest nicht. Die von uns beabsichtigte Route „Un Monde Difficil“ war nass und so stiegen wir in die Nachbarroute ein. Die Reibungsplatten waren sehr schön und alles andere als regensicher. Leider fing es an zu regnen. Wir versuchten zwar weiterzuklettern und warteten 15 min im Regen in der Hoffnung das es aufhörte, doch das alles half nichts. Nach dem Abseilen entschieden wie uns den rechten steileren Teil der Wand noch einmal anzuschauen, um eventuell doch noch eine trockene Route zu finden. Leider war auch dort alles naß und regensichere Routen gab es hier ganz sicher nicht. Unsere Entscheidung fiel auf „Va Pensiero“ welche zum Teil trocken war und mit etwas Sonne konnten wir um 12:30 einsteigen. Die Kletterei war ausgezeichnet und die Felsstrukturen richtig genial. Wir freuten uns doch noch etwas klettern zu können und und genossen diese Neblig mystische Stimmung in welcher die Wand und das Tal lag. Wir hatten die ersten 6 Längen schon hinter uns und lagen Zeitlich noch sehr gut als es wieder anfing zu Regnen. Da wir durchaus zufrieden waren und wir in 1,5h, also in 3-4 Sl sowieso abseilen müssten, seilten wir ab. So endete das Jahr 2013 in den Alpen für mich und es macht wie immer Lust auf mehr.



Montag, 9. September 2013

Eine Woche Vollgas




Nur um eventuellen Vermutungen vorwegzugreifen ich habe nicht zum Moitorsport gewechselt auch wenn wir die eine oder andere Passstraße in den Dolomiten gefahren sind sondern ich war wie schon vermutet Klettern. Dieses mal war Thomas Hering mit von der Partie und bis zu letzt war das Ziel unserer Woche nicht ganz klar. Das Wetter stand auf der Kippe, aber einige Vorhersagen sprachen von herrlichem Spätsommerwetter von ungewisser Dauer. Um nicht schon wieder in die Schweiz zu fahren ging es letztendlich in die Dolomiten. Eins jedoch bereitete mir Kopfzerbrechen, die Nullgradgrenze lag unter 3000 m und unsere Kletterziele kamen deutlich an diese Grenze heran. Also musste es sonnig sein unsere Wände.
So sah der Plan aus. Da wir das letzte mal in den Alpen eher nicht so gut aussahen, gönnten wir uns zu Hause noch ein paar Ausdauereinheiten und so hofften wir besser gewappnet zu sein.

Nuvolao, C’est plus facil 8a am Passo Giau (Sa. 31.08)
Für den ersten Tag suchten wir uns etwas mit kurzem Zustieg und so ging es zum Passo Giau nähe Cortina. Die Wand war ca. 20 Minuten vom Auto entfernt und das Ambiente war grandios. Eigenartig war nur die mit Süd angegeben Ausrichtung, nur die Sonne wusste nichts davon, so dass sie gleich bei ihrem Aufgang in die Wand schien. Es war wurde extrem warm in der Sonne und der gelbe Fells war so grell das wir die Griffe kaum sahen. Die Route der Wahl hieß C’est plus fasil und war mit 8a bewertet. Hier das Topo.



Damit der Wechselvorstieg aufging musste Thomas mit der 7a+ anfangen und leider holte er sich so dicke Arme, das er sich an diesem Tag nicht wieder davon erholte. Die Kletterei war athletisch und die Seile hingen die meiste Zeit in der Luft. Der Fels bis zum Ende der Crux war für die Dolomiten sehr fest danach na ja. Die Schlüssellänge war ein Boulder in der Mitte mit etwas pumpiger Kletterei danach. Die Einzelstelle war kniffelig und ich staunte nicht schlecht, als ich im ersten RP-Versuch durchstieg. Es war echt knapp, denn die Ausdauer war noch suboptimal. Leider blieb Thomas der Durchstieg verwehrt, denn er war von der ersten Länge noch dicht. Wir entschieden trotzdem weiter zu klettern, denn es folgten noch 3 Längen. Leider war der Fels nicht ganz so gut und die 6c Längen waren echt schwer und es gab einen Satz dicke Arme. Es reichte aber noch aus um Oben anzukommen. Zum Abseilen wählten wir die rechte Nachbarroute welche echt genial aussah aber nicht im Topo verzeichnet war. Dabei stellten wir fest, das auch die Wand nur 150m hoch war, unsere Arme fühlten sich aber mindestens wie 300m an. Wir ließen den Tag noch gemütlich ausklingen und planten den Folgetag.

Marmolada Pto Penia (So. 1.09 + Mo. 2.09)
Der Plan war die folgenden 2 Tage die Route Larcher Vigiani zu versuchen allerdings war dafür ein Zustieg mit 1300 Höhenmetern nötig. Das Kletterzeug und die Biwackausrüstung sowie das Wasser wurde zum Passo D’Ombretta gebracht und es war eine echte Quälerei. Zum Glück konnten wir die eine Stunde Regen in der Hütte auf halber Strecke abwarten. Am Pass angekommen stellten wir überrascht fest das es eine Biwakschachtel gab wo wir uns für die Nacht einrichteten den es war hier auf 2700m ganz schön kalt und zugig. Die erste Enttäuschung war für uns die Ausrichtung der Wand. Im Topo stand Südseite aber die gesamte Wand zeigte nach Westen und stand voll im eisigen Wind. Dazu kam, das vom Ausstieg ein breiter Wasserstreifen die letzten Längen herunter lief. Wir gaben uns optimistisch und wollten den kommenden Tag abwarten. Als der Wecker um 6 Uhr klingelte war es selbst in unserem Biwak nur 4 Grad kalt. Trotzdem gab es gemütlich Frühstück nur halt im Schlafsack. Als wir dann zum Aufbruch losgingen waren wir nach wenigen Minuten zu Eiszapfen erstarrt. Der Boden war gefroren und es wehte ein straffer Westwind. Bei diesem Wetter war es unmöglich diese Route mit der spärlichen Absicherung zu Klettern. Schweren Herzens machten wir einen Rückzieher und stiegen wieder ab. Da es dennoch sonnig war überlegten wir, ob wir vielleicht noch etwas an der Marmolata Südwand klettern könnten. Dies scheiterte leider am fehlenden Material, denn unsere geplante Route hatte nur wenige Bohrhaken und Keile und Friends konnte man in den abweisenden Platten nicht gebrauchen. Leider ist das bei allen anderen Routen an der Marmolada genau das Gegenteil. Also stiegen wir bis zum Auto die ganzen 1300 Höhenmeter ab. Meine Knie waren Butterweich als wir 9:30 unten ankamen, denn wir hatten uns sehr beeilt. Etwas gutes hatte der Abstieg jedoch, wir sahen Steinböcke welche auf einem Felsen standen und um die Weibchen kämpften. Ein wahrlich seltenes Spektakel.


Der Plan für den verkorksten Tag war zum Lago Fedai zu fahren und dort Tempi Modernismi zu klettern. Diese Route Galt als Klassiker war 300m lang und mit 7c+ auch passend. So stiegen wir wieder 500 Höhenmeter auf und meine Knie schmerzten. Ohne es zu wissen würde die Bilanz des Tages 2100m im Abstieg  und 800 m im Aufstieg sein (inklusive Abseilen und Klettern). Dazu kam, dass wir in der Route nicht alleine waren. Christoph und Alex aus Bayreuth waren eine Länge über uns und genossen die wärmende Sonne. Da diese Wand nach Südosten gerichtet war, wehte hier zumindest kein Wind, was sehr angenehm war. Nur der Fels war etwas gewöhnungsbedürftig. Besonders im unteren Teil, was die Crux war, war er extrem splittrig. Es war sehr angenehm, dass schon einige Griffe mit Magnesia markiert waren, denn es war sehr, sehr unübersichtlich. Da die beiden vor uns waren kam bei uns nach dem stressigen Morgen die Ruhe rein und ich konnte gemütlich das Seil abziehen und Durchsteigen. Da unmittelbar danach die Sonne aus der Wand drehte, konnte Thomas noch am Einstieg seine Lange Hose anziehen. Mir war dieses glück nicht vergönnt und so entledigte ich mich am Hängestand meines Hüftgurtes und zog die Hose drüber. Natürlich nicht ohne mir vorher eine Schlinge um den Brustkorb zu legen, damit ich noch an irgendetwas hänge. Das Ganze ist in etwa so bequem wie ein Nickerchen auf dem Nagelbett eines Fakirs. Jedenfalls war es dann nicht mehr so kalt und wir hatten erneut Glück. Die Seilschaft vor uns musste feststellen, dass an der Schlüsselstelle die Bohrhakenlaschen sowie die Mutter fehlten. Zum Glück hatten die beiden eine Mutter dabei und eine Lasche hing am Einstieg. Ohne diesen Haken wären wir nicht hoch gekommen denn wir hatten nicht einmal einen Klemmkeil dabei zum drüberlegen. Diese 2. Länge könnte gut und gerne 7b oder 7b+ sein denn alle folgenden Längen sind leichter. Der Fels wurde besser nur an den Ständen wurde es zum Teil etwas eng, aber wir hatten unseren Spaß. Die beiden entschieden letztendlich nach der 4. Seillänge abzuseilen und wir gönnten uns noch 3 weitere Längen. Da es schon spät war und die vorletzte Länge schon brüchig war ließen wir die letzte Länge weg um noch im hellen abzuseilen. Zu guter letzt hatten wir den Tag ja noch gut genutzt und so stiegen wir zufrieden im letzen Licht des Tages ab. Der krönende Abschluss war dann  noch das Abendessen zu welchen uns Christoph und Alex in ihrem Van einluden.


Cima Orientale, Via Spirit (Di. 3.09)
Nachdem es am Vorabend ungewollt spät wurde war die Nacht kurz und wir schafften es nicht um 6 Uhr aufzustehen. Uns taten die Beine vom Vortag weh, aber dennoch wollten wir die Via Spirit versuchen. Leider mussten wir erfahren, das die Angaben in Routen von
Massimo da Pozzo zum Teil etwas falsch sind. Für die 1000 Höhenmeter Zustieg veranschlagte er 1,2 h. Obwohl wir uns beeilten waren es dennoch 2,5 Stunden. Dazu kam das am Einstieg, an einem steilen Grashang, keinerlei Sicherung war.  Nach etwas zögern erreichte ich den ersten Haken in 6m Höhe. Auf dem Weg zum 2. Haken in 16m Höhe hätten mehrere gute Friends gelegen und ich ärgerte mich über die Angabe im Topo, das lediglich 10 Expressschlingen nötig sind. Die Länge ist sehr schön und moralisch sehr Anspruchsvoll, doch man hätte erwähnen müssen das kleine Friends (Mastercam 00 bis 3 sowie einen #2 Camelot und einige Keflarschlingen notwendig sind. Da es auch in der 2. Länge so weiter ging und der Rückzug durch das queren immer schwerer wurde entschieden wir uns abzuseilen.
Schade eigentlich, aber wir haben zumindest gelernt, dass bei Massimo da Ponzzo Wegen auf jeden Fall Friends in den Rucksack müssen.

Ruhetag (Mi. 04.09)
Ja, das ist kein Schreibfehler, aber wir sind innerhalb der letzten Tage so viel gelaufen, dass wir bzw. unsere Bein endlich mal einen Ruhetag brauchten. Wie man das halt so macht am Ruhetag wird ausgeschlafen, geschlemmt und abgehangen.

Sella,Via Italia 61  8a
Diese Route war eine Empfehlung unserer neuen Bekannten welche uns auch gleich noch das Topo dazu gegeben hatten. Der entscheidende Vorteil neben dem magischen Schwierigkeitsgrad 8, welcher schon so etwas wie ein Muss für mich ist, war der kurze Zustieg. Zudem war die Linie entlang einer Kante echt genial. Es ging über zwei mächtige Überhänge die uns zum Glück etwas Schatten spendeten. Die Kletterei war abwechslungsreich und sehr gut gesichert, da es sich um eine alte Technoroute handelte. Für die erste Länge kann man ein paar Friends mitnehmen, muss aber nicht sein. Leider fand ich es ästhetisch etwas störend entlang einer Hakenleiter zu Klettern die über die scheinbar glatte Wand genagelt wurden ist. Auch die Haken welche im Dach der Crux steckten waren nicht gut. Lediglich die Masse an Hakenmaterial machte die Route sicher. Sonst sehr abwechslungsreiche Kletterei nur die Abseilpiste zur Schonung der Knie fehlte.
Da man unmittelbar am Sellapass klettert, wird die Idylle leider durch die vielen Motorradfahrer gestört welche sich von 9:00 – 18:00 Uhr die Serpentinen hochjagen.




Torre Duso, Via Calispera 8a
Auf der Suche nach etwas Ruhe nahmen wir einen etwas längern Zustieg gerne in Kauf und ich muss sagen es hat sich wirklich gelohnt. Über wundervolle Alpenwiesen mit unzähligen Blumen ging es zu einem hervorstechenden Felssporn was das Ziel unserer  heutigen Bemühungen ist. Da bei dieser Route wieder Massimo da Ponzzo handelte packten wir die Friends glücklicherweise ein. Wie gewöhnlich ging es zeitig los und so liefen wir entlang der Wolkengrenze über die Bergwiesen. Unsere Wand war noch im Schatten aber sie sah echt genial aus. Grauer Fels und wenige Bänder so muss eine Wand aussehen. Die Wolken in welchen wir uns befanden störten wenig nur die Bemerkung im Topo „bombenfester Fels“ passte nicht auf die erste und letzte Länge aber wir wollen ja nicht meckern. Der Rest war aber auf jeden Fall bombenfest und einige Längen waren genial. In der Crux angekommen war ich zuerst geschockt, denn wo die Haken steckten gab es keine Griffe. Als ich dann die Kletterlinie deutlich neben den Haken fand und die Längenzüge geknackt hatte freute ich mich erneut, dass ich eine Keflar und kleine Friends dabei hatte. Es dauerte jedenfalls fast 1,5 Stunden bis ich alle Züge geknackt hatte. Zeit zum durchstieg war auf jeden Fall und obwohl ich Zweifel hatte das es gelang, da nicht nur die Züge sehr wackelig waren sondern auch die Haken so steckte das man das Seil nicht ziehen konnte. Als rettende Lösung borgte mir Thomas sein Seilende und so stieg ich mit Doppelseil gesichert ein. Die ersten 10 Meter hängte ich Thomas Ende ein und danach das andere. Da ich Thomas sein Ende wieder runter warf, konnte er auch problemlos nachsteigen. Die Einzelstellen machten den Durchstieg spannend. Thomas sah mich zwar nicht aber er feuerte mich fleißig an. Es Glückte wie so oft und einmal mehr war ich fasziniert, wie nah der Fall gerade konnte ich mir noch nicht einmal vorstellen wie ich da hoch kommen soll und dann ging es im Rotpunkt. Die Freude war groß und zur Belohnung lichteten sich die Wolken und wir hatten etwas Sonne. Am Ende standen wir auf einem richtigen Gipfel und stiegen über steile und sehr schöne Almwiesen auf der Rückseite ab.




Nuvolao, ?unbekannt 8a
für den letzten Klettertag wollten wir wieder etwas mit kurzem Zustieg.

Da fiel mir wieder die Nachbarroute von unserem ersten Tag ein. Wir hatten zwar kein Topo, aber ich schätzte das ganze so auf 8a. Diese Vermutung war durchaus richtig nur fehlt der Name der Route. Jedenfalls ist diese Route mit der 3. sehr homogenen Ausdauerlänge die Schönste in der Wand und wir würden sie wie folgt bewerten: 6c (=1.Sl. von Fatta e Rifatta) /6b+/8a/7a/7b) Witzig, dass die Woche Dolomiten an dieser Wand anfing und auch endete.
Jedenfalls war das Kletterpensum ausreichend, das Laufen zu viel und das Ambiente grandios. Ich freue mich schon wieder auf das nächste mal Alpen.