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Sonntag, 19. Juni 2016

Eine Liebeserklärung der etwas anderen Art






Blick vom Präsidenten (CZ) ins Elbtal
Vielleicht mag der Titel diese Posts ja etwas befremdlich klingen doch er versucht etwas in Worte zu fassen was schwer zu sagen ist. Er versucht zu beschreiben wie sich das Abenteuer Leben anfühlen kann. Wie es ist wenn man den eigenen Herausforderungen gerade noch so gewachsen ist um sich selbst zu verwirklichen. Sich immer wieder überwinden muss um Erfolg zu haben. An seine Grenzen gerät, scheitert und trotzdem gewinnt weil man nicht gekniffen hat. Weil man bereit war alles zu geben was notwendig ist um über sich hinauszuwachsen.

Ausstieg des Riesenkamins eine unangenehme Breite, Foto Helmut Schulze

Kerstin im Bilatal an der Großen Herkulessäule.
Ja es klingt komisch, es geht hier um ein Hobby um Klettern ganz konkret. Wenn man mich fragt vielleicht die schönste Nebensache der Welt und doch so nutzlos. Theoretisch kehrt man nach dem Durchstieg einer Wand  wieder zum Ausgangspunkt zurück. Äußerlich schein alles wie vorher, es ist nur etwas Zeit vergangen. Zeit die man einsam und bedächtig in der Natur verbracht hat. Zeit in der man mit Freunden und Familie lustige Momente erlebte. Zeit in der man über Gott und die Welt sprach. Zeit in der man meinte der Sinn des Lebens sei das Klettern. Zeit in der man vor Motivation zu platzen glaubte. Zeit in der man Angst hatte. Zeit wo die eigene Motivation auf dem Tiefpunkt war es aber Spaß machte andere in ihrem Bestreben voran zu bringen. Ja es war auch Zeit dabei in der wir an uns gezweifelt haben. 

Alls kleinen Wölfe auf dem Lilienstein
Erst diese viel Zeit hat uns zu dem gemacht der wir jetzt sind. Das was sich verändert wenn man wieder zum Ausgangspunkt zurückkehrt ist man selbst. Die Veränderung ist nur ganz langsam. Es sind mal große mal kleine Schritte andere kommen uns wie Rückschritte vor. Egal welchen Weg wir wählen der Weg als solcher prägt uns. Zudem wird die Gegend durch die wir dabei am häufigsten streifen unser Heimat. Mit diesem Land sind wir für immer und ewig tief verwurzelt.
Bei mir sind das die sächsisch-böhmischen Sandsteingebiete und dies wurde mir diesen Frühling wieder überdeutlich bewusst. Nicht weil Klettern im Elbsandstein bequem ist, sondern weil das Klettern hier sehr vielseitige Ansprüche an einem stellt wenn man die Herausforderung freiwillig annimmt. Erst dann kann man sagen man lebt die sächsische Tradition und jeder ebend auf seine eigene Art und Weise. Welcve die Fichtige Art ist muß auch jeder für sich entscheiden. 
Avatar RP 10b am Cho Oju im Himalaja in Adrspach

Weiße Taube RP 10a im Großen Dom, Foto Helmut Schulze.
Fahne am Liechtblick RP 9c am Domerker. So spannend ist Klettern .-) Foto Helmut Schulze.

Dienstag, 10. Mai 2016

Himmelfahrtskomando



Piccolo Dain com Parkplatz aus gesehen

... vollkommen übernächtigt ging hingen wir in der Wand. Die Absicherung war mies , der Routenverlauf nicht ersichtlich und als Chris-Jan aus der Wand kippte hatte er viel Zeit in der Luft. Nicht so viel wie die Basejumper die sich am Morgen über unsere Route vom Piccolo Dain stürzten aber genug um mehrfach irgend etwas in der Luft zu rufen....
Noch schaut Chris-Jan erfreut, bald gibt es Flugmeter.





Ja es war mal wieder Zeit den Alpen einen Besuch abzustatten. Dieses mal bestand das Dream Team aus Chris-Jan und mir. Wir waren schon unzählige Male zusammen Klettern aber nie in Wänden länger als 80m. Unsere gemeinsamme Premiere sollte uns nach Arco dem Mecca für Familienfreundliches Klettern führen. Nicht das bei uns das Stimmungsbarometer auf Erholung stand, doch es lag noch zu viel Schnee in den Alpen und bekanntlich kann man geisig am besten abspannen, wenn man körperlich geschafft ist. Geplant waren 3 Tage Klettern und nodgedrungen ein Ruhetag. Ich hatte drei 8er Mehrseillängenrouten rausgesucht mit jeweils 4-5 Sternen und wir waren beide gespannt.
Auch bei uns war die Realität der größte Feind der Planung und wir kamen erst gegen 1:00 Uhr in Sarche an. Die Wand ließ sich im dunkeln erahnen und in weniger als 5h war die Nacht zu Ende. Das erste Ziel sollte der Piccolo Dain werden doch er steubte sich mit allem was er hatte.
Wir stiegen in die Route "Via Beppi Mazotti" ein und neben viel Gebüsch, losem Fels und erschwerter Routenfindung verdarben uns letztlich alte Schlingen noch älteren Hackenleitern den Spaß an der Freude. Die Schlingen waren sicherlich mal positiv gedacht, verbanden sie doch jeweils 3 Rostgurken zu einem etwas weniger fraglichen Sicherungspunkt. Das Problem war nur das die Schlingen mehrere Jahre auf dem Buckel hatten und ein Einhängen der der Haken unmöglich machten. Also sind wir in die Nachbaroute "Le Vrais Plasir" aka "Via Pampers" ausgewichen. Diese war mit 8a+ noch schwerer und die Haken waren besser aber dafür steckten sie so ungünstig das man wirklich fast Windeln brauchte. Als wir dann nach einigen Kletter- und etlichen Flugmetern vor der 8a Länge standen verging uns die Lust.
Die Aussicht ist schon das schönste an der Route.

Die Erstbegeher hatten scheinbar auch auf Windeln für den Sichernden vorgesehen, denn wie es aussah landete der Vorsteiger kurz vor dem erreichen des 2. Sicherungspunktes wieder am Standplatz bzw auf dem Sicherungsmann. Das war uns nichts und so toll war die Kletterei auch nicht das man sich oder andere vorsätzlich verletzen will, kurz wir seilten ab und fuhren nach Arco.
Dort verbrachten wir auch den Folgetag und nutzten das breite Kulturangebot was die Downtown Arco zu bieten hat. 4 Eisdielen und 15 Kletterläden später waren wir wieder hochmotiviert für die schroffen Abbrüche der mehrere hundert Heter hohen Kalkfelsen.

L'Ora del Garda 8a (7b+ obl), 355m
Dieses mal wählten wir die Route etwas sorgfältiger und entschieden uns für "L' Ora del Garda" welche nach dem gleichnamigen Wind am Gardasee benannt wurde welcher die Segellfreunde am Nachmittag erfreut . Ein schöner Name für die stark überhängende Schmalseite an der Mandrea und eine neue Route von Rolando Larcher. Der Name Larcher allein steht schon für Qualität und Anspruch und so wurden wir auch nicht enttäuscht.
L'ora del Garda geht immer im überhängenden durch den schmalen Pfeiler.

 Wegen der vielen schweren Längen kamen mir schon Zweifel, ob das ausbouldern und durchsteigen an einem Tag möglich ist doch man wächst ja angeblich mit der Herausforderung. Das kann jedoch nur symbolisch gemeint sein, denn egal welchen Herausforderungen ich mich auch gestellt habe, ich kam über 1,68 nicht hinaus.
Die 2. und eine 7a+ Länge.
Das schwere Ende der 3.SL.
Die obligatorische und auch RP-Crux in der 6.SL
Spaß am Stand. Wer hat uns den da den Schalk ins Müsli gemischt :-)
Die geilste Länge und auch die letzte der schweren Längen. Gleich haben wirs geschaft.
Das nenne ich mal einen schönen Ausstieg. NNoch 50m bis zur Strasse.

Die Route hängt ca 50m über und hat 4 Seillängen 7c+ oder schwere. Deshalb gig es sehr zeitig los und zum Sonnenaufgang standen wir am Einstieg. Die ersten 3 längen waren schön technische Plattenkletterei. Gelegentlich konte man die Absicherung mit einem Friend ergänzen, was aber auch ohne diesen gegangen wäre ohne sich richtig zu ängstigen. Für die 3. Sl , die erste 8a, kann man einen gelben und einen orangenen Metolius Mastercam mitnehmen aber dort ist es noch leicht. Es wird erst nach am Ende schwer, wenn man nach einigen Hangelrißen und mäßigen Tritten noch mal einige technische Wandzüge meistern darf. Alles in allem dankbar für 8a. Danach folgt eine atletische und mit viel Spreizen auch etwas technische Verschneidung welche besser geht als gedacht. Nach einer nicht so schönen 7b kommt mit der 6. Sl  sowohl die obligatorische als auch die RP-Crux. Eine Boulderstelle mit sehr weiten Zügen geht nur gerade so auf und danach wird es nicht wieder richtig leicht. Entweder ist die Länge schwer für 8a oder aber die 10 Minuten Pause vor dem Durchstieg waren nicht ausreichend. Es kann auch sein, das irgendwie beides zusammen zutreffen kann. Chris-Jan war schon etwas gequält von den Hängeständen und so übernahm er die Führung in der 7b+ länge welche folgte damit ich die letzte schwere länge noch machen konnte. Die 7b+ war erstaunlich schwer und so anstrengend, das ich anschließend in der letzten schweren Länge beim Ausbouldern nicht nur schlecht aussah sondern mir regelmäßig nach 30 Sekunden die Finger aufgingen egal wie groß der Griff auch war. Deshalb gab ich mir beim ausbouldern besonders viel Mühe und wertete die Länge nach dem Durchstieg auf 7c/7c+ ab. Allerdings bekommt sie den Bonus genialste Länge der gesamte Route mit 3 großen Überhangen welche sich allesamt genial mittels Sintern klettern lassen. Jetzt war die Freude groß, denn was folgte war nur noch Ausklettern, aber meine Unterarme machten zum glück erst jetzt schapp. Das schöne Ende nach einem Tollen Tag und viel Spaß in der Wand kam am Ausstieg. Wir fanden uns unverhofterweise in einem Vorgarten eines idyllischen Hauses wieder und 50m vom Ausstieg war eine Strasße welche an hübschen Häusern vorbei gen Tale führte. Noch im Abstieg wurde das Ziel für den Folgetag besprochen.

Topo, L'Ora del Garda
Link zum kompletten Topo.

http://www.planetmountain.com/english/rock/routes/itineraries/scheda.php?lang=eng&id_tipologia=38&comefrom=search&id_itinerario=1676&gruppo=&cima=&nome=


La tigre, il daino e il gladiatore 7c+/8a (7b+ obl )440m  

Die Wahl dieser Route kam durch den kurzen Zustieg von nur 10 Minuten. Die Wand dens Parete del Limarò liegt am Fuße des Piccolo Dain und es geht fast auf Höhe des Flusses los. Zudem waren auch weniger Bäume zu sehen als an Picolo Dain. Die Flußüberquerung war leichter als gedacht und wir hatten eine Menge Spaß.  Die erste Länge war fast schon die schönste mit toller Plattenkletterei. Fast wie in den von mir so geliebten Wendenstöcken.
Ohne Stahlseil hätte man hier morgens schon nasse Füße.
Das ist ja ein dickes Ding. Wir vermuten diese Stahlseile sind als Räusen für hölzernes Treibgut am Ende der Schlucht installiert um den Ort zu schützen wenn eine Flutwelle kommt. Eins war übrigens schon gerissen aber wir waren es nicht.

Danach wurde es durchwachsen mit bewuchs und brüchigen Passagen. Die Crux in der 4. Seillänge war ein recht längenlastiger Boulder am 2. Haken. Je nach Größe liegt hier die obligatorische Schwierigkeit über oder unter meiner Angabe. Danach ist die Länge sehr schön. Die folgenden Leichten längen welche mit 6 bewertet sind könnten alle 7er sein aber dafür geht dazwischen die 7c+/8a recht gut (eher 7c) zudem ist sie im Mittelteil sehr brüchig. Da aber alles auf anhieb ging, waren wir schnell durch. Abseilen über die Route geht mit anpendeln und so waren wir nach 7h Kletterei und etwas Abseilen wieder am Auto und es kam der anstrengende Teil des Tages...
Die Rückfahrt nach Hause.
5. Länge. 6c steht dran und für gängige 7a wäre es auch noch zu schwer.
Das Ende der 7. Länge.
Chris-Jan in der letzten Schlüsselstelle der 6. SL, danach wird es brüchig.
Gleicher Ort in der 6.SL vor dem Bruch.


Auch wenn das Ganze vielleicht wie ein stessiges und anstrengendes Wochenende klang, so waren wir zumindest tiefenentspannt und zufrieden.
Klettern ist halt die schönste nebensache der Welt und ein toller Ausgleich zum Altag.


Topo La tigre, il daino e il gladiatore
 

 Link zum kompletten Topo.
http://www.planetmountain.com/english/rock/routes/itineraries/scheda.php?lang=eng&id_tipologia=38&comefrom=search&id_itinerario=1090&gruppo=&cima=&nome=


Freitag, 18. Dezember 2015

Klettern in Schweden und Norwegen (Bohuslän, Flatanger, Harbak, Vingsand und Bergflødt)


Viele Jahre bin ich um die halbe Welt gereist zu weit entfernten Orten um beeindruckende Natur und tolle Felsen zu erleben. Ich dachte Europa hat nicht mehr viel beeindruckendere Natur zu bieten als die Alpen oder die Sächsische Schweiz. Doch weit gefehlt ich war noch nie in Skandinavien und Norwegen ist wirklich das Land der Gegensätze und da haben wir noch lange nicht alles gesehen. Auf kürzesten Distanzen liegen Meer und über 1000m hohe Berge zusammen. Nich das die Fjorde und die unzählige Wasserfälle die auf die Fjorde herabstürzen schon beeindruckend genung sind, tummeln sich auch noch gigantische Kreuzfahrtschiffe über 100km vom offenen Meer entfernt zwischen den Bergen. Ja Norwegen ist echt toll sowohl als Tourist als auch aus der Sicht von jeanden der lebende Geschichte in Museen mag. Sowohl Oslo mit dem Fram-, Wikingerschiff- und Kon Tiki-Museeum als auch Lillehammer mit Maihaugen als belebtes Häusermuseum. Das alles ist schon recht viel für ein Land mit etwas mehr als 5 Millionen Einwohner aber gibt es auch tolle Felsen zum Klettern? Die Antwort ist ein klares und deutliches ja. Es gibt wenige große und viele kleinere Gebiete welche fast alle Granitkletterei sind. Dazu sollte gesagt werden das nach südfranzösischen Verhältnissen mit Bohrhaken gespickte Routen eher eine Seltenheit sind. Deshalb findet man immer wieder Trad-Routen gemischt mit Sportkletterouten nebeneinander in friedlicher Koexistenz. Da wir leider nicht alle Gebiete besuchen konnten und dies Familienurlaub war blieben die bekannten Klettergebiete für Mehrseillängen außen vor. Trotzdem müssen die Lofoten, Rogaland und Setestal genannt werden und auf einen späteren Besuch warten denn dieses mal waren 5 ander Gebiete dran.

Bohuslän (Schweden,Trad, etwas Sportklettern, etwas Bouldern)
Hallinden der Tollste Sektor in Bohuslän mit Routen bis 60m


Wer nach Norwegen fährt kommt meist durch Schweden gefahren. Da bietet es sich an in Schwedens größten Riß- und Trad-Klettergebiet eine Zwischenhalt einzulegen. Dies ist auch gleich der richtige Ort sich an das skandinavische Bewertungssystem zu gewöhnen welche anfänglich wie UIAA-Grade aussehen. Der Unterschied wird einem in Bohuslän sehr schnell deutlich ( Skand 7+ entspricht Franz 7a, Skand 8 entspricht Franz 7b+ und Skand 9- entspricht Franz 8a) Dabei kommt erschwerend dazu, das im Führer das von mir zur Verdeutlichung verwendete Kürzel "Skand" nicht existiert und das in Bohuslän bei allen Routen tiefgestapelt wird. Obwohl alle Grade Rotpunkt Einstufungen sind sagt man unter der Hand, dass es heißen soll die Einstufung ist die Bewertung der schwersten Einzelzüge. Das man bei Tradrouten auch schnell in gefährliche Situationen kommen kann und das Klettern im Top Rope in Bohuslän bei schweren Routen der am meisten verbreiteste Kletterstiel ist sollte man jede Route vorher genau einschätzen ob sie für ein on sight geeignet ist. Ich hoffe das dies als Warnung reicht. Bei den meisten leichten und viel begangenen Routen ist diese Warnung allerdings überflüssig. Es ist sehr zu empfehlen zwei 6m Seilstücke im Rucksack zu haben den bei sehr vielen Routen dient lediglich ein Baum oder Felsblock als Umlenker. So nun endlich mehr zum Klettern. Bohuslän ist genau das richtige Gebiet wo man Meer, Familie und Tradklettern miteinander vereinen kann. Die Wände sind zwar im Durchschnitt nur 20m - 25m hoch aber es gibt ein paar Ausnahmen mit bis zu 40m-60m. Genau diese Ausnahmen haben es mir besonders angetan. Das ist zum einen mein absoluter Favourit Hallinden, weil es eine geniale Rißlinie nach der andern gibt. Hier kann man schwere Risse on sight klettern ohne sich ernsthaf zu verletzen. Es klingt zwar etwas erbärmlich aber ich bin auf meine 4 Skand 8er im on sight stolzer als auf die 3 Sportkletter 8a's in Flatanger. Dies liegt sicherlich nicht nur am selber absichern sondern an den bereits erwähnten harten Einstufungen.


Ob beim Klettern, Angeln oder Baden mit Familie, das Meer ist nie weit weg.

Sektor Vrångarö in der Route Thriller, Steil, 40m lang und direkt am Meer.


Goa Brunetter in Hallinden, hier erfuhr ich zum ersten mal wie hart die Einstufung hier wirklich sein kann.


Thorster am Ausstieg des Sektors Vrångarö. Innerhalb von 12h incl. Fährzeit von Berlin in eine andere Welt

Tiega för Guld im Sektor Ulorna

Und ich Dachte Verschneidungen liegen mir aber in Ibes Book aka Superdiedre im Sektor Ulorna erfuhr ich das Gegenteil. Beim ersten mal hochklettern fühlte ich mich wie mit Rollschuhen auf der Reibung.
Fazit: Tolles Tradgebiet mit Abenteuercharakter, aber nichts zum Nummern abhaken.

Nach vielen Jahren ist seit Sommer 2015 endlich der lang erwartete Führer "Klättring i Bohuslän" erhältlich. Er beschreibt ca. 1500 Routen an 100 verschiedenen Wänden.
  Flatanger (Sportklettern + Trad )

Gleich hinter der Scheune beginnt der Zeltplatz und dahinter gibt es reihenweise liegende und leichte  Routen.


Wo soll ich anfangen, mir fehlen einfach die Worte diese gigantische, vielleicht weltweit größte Granitgrotte zu beschreiben. Die Grotte an sich ist so groß, dass keine der bis zu 60m langen Routen es schaft aus ihr herraus zu Klettern. Hier begegnen sich gleich mehrere Superlative. Nicht das es in dieser Grotte bereits die schwerste Route der Welt gibt, es heißt auch, das es noch ein 9c Projekt und etliche 9er Routen gibt. Zum Glück muß man nicht den französischen 9ten Grad Klettern um hier Freude zu finden. Es gibt einige 6er, viele 7er und etliche 8er und es ist auch nicht alles so furchtbar steil wie man es bei solch einer Grotte vermuten würde. Der Fels ist einfach genial und so läd der saubere, gut struckturierte, rauhe Granit einfach nur zum Klettern ein. Einzig die guten Strukturen ermöglichen es in diesem riesen Dach zu Klettern. Was man auch nicht vergessen sollte mitzubringen sind Kniepads für die vielen Knieklemmer welche nötig sind um sich für teilweise 200 Züge im Dach festzuhalten. Ja es gibt hier fast alles was man sich wünscht. Eine tollen Zeltplatz mit einem netten Besitzer und das fischreiche Meer keine 5 Minuten entfernt. Das einzige was zu einem Paradies noch feht ist ein Sandstrand. Ja und vielleicht noch eine Kinderfreundliche Grotte aka Santa Lina, denn für kletternde Eltern die ihre Kindern mit in die Hanshallarengrotte nehmen wollen ist sie leider nicht geeignet, denn es liegen überall scharfe Felsblöcke herum. Ja wir hatten einen tollen Sommerurlaub auch wenn das Wetter eher Frühlingshaft war. Aber im Frühling genießt man weningstens die Sonne richtig, dass ist zu Hause bei über 30 Grad schon schwerer. Es gelang mir nicht nur eine Verlängerung von "Massih Attack" ( Massiv Attack 8b/8b+) von unten Erstzubegehen und die schwerste Tradroute in der Grotte " Romsdoling pa tur" 7c+ o.s. zu Klettern. Nur bei "Nordic Plumber" 8c bin ich leider nach über 200 Zügen beim letzten schweren Zug gescheitert. Naja, da muss ich wohl noch mal wieder kommen


Bevor ich es vergesse, die Angel sollte man auf jeden Fall mitnehmen den einfacher und günstiger kommt man nirgends zu einem Abendessen.

Das ist die Hanshallarengrotte und wahrscheinlich die größte Granitgrotte der Welt. Wer hier Erstbegehungen macht braucht nicht erst zu bürsten. Nach erfahrungen anderer sind jedoch andere Grotten in der Gegend eher von schlechter Felsqualität.


Der linke Teil der Hanshalarengrotte ist weniger überhängend und fast jede Route ist genialste Granitkletterei mit genialen Strukturen..
Der Klassiker Nordic Flower 8b+ in der Grotte klettert nur einen kleinen Teil des gigantischen Dachs und auch die 8c Verlängerung ist 80m lang und geht noch lange nicht bis zum Ende der Grotte


Logistik:
Man braucht vor Ort kein Auto, es klappt gut mit dem Flug nach Trondheim (Norwegian Airlines) und danach gibts für ca 30-40 Euro einen Bus. Wichtig ist, das man so zeitig wie möglich in Trondheim ankommt ( bzw. so spät wie möglich wieder abfliegt), denn auf dem letzten Stück (45 km) gibt es kein Bus. Dafür aber ein staatlich subventioniertes Taxi. Dies fährt aber nicht mehr Abends oder noch nicht früh zeitig. Am besten Olav, den netten Besitzer des Zeltplatzes kontaktieren der hilft gerne bei der bestellung des Taxis, den die Internetseiten dazu sind nur in Norwegisch.
Das Aktuellste Topo liegt auf dem Zeltplatz aus und wird regelmäßug ergänzt. Zudem ist ein aktuelles Topo in
"Climb Norway" enthalten.
Da es noch keine Internetseite gibt hier eine Infomöglichkeit via Facebook.
http://www.google.de/url?q=https://m.facebook.com/ClimbFlatanger%3Frefsrc%3Dhttps%253A%252F%252Fwww.facebook.com%252FClimbFlatanger&sa=U&ved=0CAsQFjAAahUKEwjI7ff6tNrHAhWE1hoKHbxjDRw&usg=AFQjCNE2skhhjDPV8-SalA9AZKGOSyy0yA


Harbak (Bouldern + Trad)

Örtlich deutlich konzentrierter als Vingsand ist Harbak (gleichfalls Name des gleichnamigen Ortes und leicht via Google Maps zu finden) das wohl bekannteste Bouldergebiet Norwegens. Von Dachproblemen bis hin zu tollen überhängen gibt es von allem ein wenig. Das Ambiente ist wie immer toll, nur das manche Blöcke im Sumpf stehen ist etwas schade.
Die meisten boulder befinden sich 300m vor dem Ortseingang Harbak auf der rechten Seite unterhalb eines Felsüberhangs ( Hulla) in dem auch bei Regen gebouldert werden kann. Es gibt einen kleinen Boulderführer welcher leider vergriffen ist. Am Wochenende trifft man aber vielleicht mal einen Local.
Im Umkreis von 30 min zu Fuß gibt es auch etliche Tradroute welche im Führer für die Umgebung von Trondheim "Trønder Rock" beschrieben sind.


Man ist gefühlt am Ende der Welt aber nach 10 min laufen gibt es ein paar erlesene Boulder.

Täglich kommt die Hurtigrouten auf der gleichnamigen Route vorbeigefahren und läßt selbst hier alles klein aussehen.





Wenn es nicht gerade zu sumpfig ist haben selbst die ganz kleinen hier was zum Spielen.



















Vingsand ( Bouldern)
Bouldern ist ja im Sommer nicht so meine Lieblingssportart aber in dem Ambiente ist es echt schön auf dem Crashpad zu sitzen und die Landschaft auf sich wirken zu lassen. Der Vorteil von Vingsand jedoch ist, das es hier etliche Boulder gibt, welche mehr als 10 Züge haben ohne das man extrem hoch überm Boden ist. Auch die Felsstrukturen sind wirklich toll nur sehr viele Probleme gibt es nicht und weit versteut sind diese zudem noch. Was jedoch beim Suchen schön ist, man läuft durch eine schöne Heidelandschaft und ab Juli findet man zum Teil riesige schmackhafte Rotkappen.
Wie alle der hier genannten Gebiete ist man nie weit vom Meer entfernt und kann Abends noch schnell das Abendessen aus dem Meer angeln. Das einzige Manko von Vingsand ist das es keine Topos oder Zustieginformationen gibt. Dadurch rennt jeder etwas orientierungslos durch das Gebiet und sieht nur die Hälfte der Probleme. Eigentlich schade, deshalb habe ich mal zwei Skizzen der beiden Gebiete von Vingsand gemacht und in den Blog gestellt. Sie sollen nur eine Orientierungshilfe geben gleichfalls die Schwierigkeitseinstufung welche ich teils gehört und teils geschätzt habe.
Den Ort Vingsand findet man leicht mit Hilfe von Google Maps und es gibt grob zwei Sektoren. Den Sektor Harbour der wie der Name vermuten lässt in der Nähe des Hafen liegt und der Sektor Black Diamond, welcher 5-10 Autominuten von Hafen entfernt auf der anderen SeitendesnFjordes liegt. Also vielleicht hilft es ja jemanden. 


Die meisten Probleme wie hier die kleine Grotte (am 2.Hügel vom Sektor Harbor) sind regensicher und einfacher zu finden als die nahegelegene "Long Wall" welche man erst sieht wenn man 3m davor steht.

Idyllisches Parken am Sektor Harbor wo man auch wieder das Abendessen aus dem Meer holen kann.

Vingsand map sector Harbor

Vingsand map sector Black Diamond

Wir wird der Dorsch noch Traditionell an der Luft getrocknet und dient im Winter als Hundefutter.





Bergflødt ( Sportklettern und wenig Tradklettern)
Die 40m hohe östlich, ausgerichtete Wand ist ca. 40 km von Oslo entfernt und ein echtes Juwel. Der Granit ist rot, rauh, von Risspuren durchsetzt und hängt nut 1-2m über. Dennoch bietet es ausgezeichnette Hangelriß- und extrem technische Wandkletterei die aus Trittmangel die sehr pumpig ist. Die meisten Routen liegen im Schwierigkeitsbereich Franz 7c und schwerer. Dazu kommt, dass die Einstufungen wirklich so knallhart sind, dass man die Routen selbst im Yosemite nicht abwerten müßte. Die harte Bewertung ist scheinbar in Skandinavien üblich ( mit Ausnahme Flatanger natürlich) Leider ist die Wand nicht im Auswahlführer "Climb Norway" enthalten.
Eine unscheinbare Wand, aber tolle senkrechte bzw leicht überhängende Kletterei


Alle hier erwähnten Kletterführer sind in der Bibliothek des Sächsischen Bergsteigerbundes in Dresden auszuleihen.

Mittwoch, 11. März 2015

Patagonien Vortrag

So nun ist es endlich so weit, der Vortrag ist fertig und die Premiere zu "Wildes Patagonien"  findet am 20.03 in der Kletterarena statt.
Alle weiteren Informationen stehen auf dem Flyer.


Also dann bis nächste Woche Freitag.

Dienstag, 3. März 2015

Abschluss Patagonien / Kletterstil / Vortrag

Endlich hat mich der Altag wieder aber es ist schön wieder zu Hause zu sein. Bekanntlich fährt man ja weg um zurück nach Hause zu kommen um altägliche Dinge mit neuen Augen zu sehen und vormals selbstverständliches erneut schätzen zu lernen.
Es gab auf dieser Reise viele eindrucksvolle Erlebnisse und Menschen welche sehr hilfsbereit waren ohne mich/uns zu kennen. Darum möchte ich den letzten Post dieser Reise nutzen um diesen noch einmal zu danken.
Ich fange einfach mal chronologisch an.

-Danke an alle Sponsoren für das in uns gesetzte Vertrauen und die Unterstützung. Leider hat erst das Wetter und dann die Gesundheits meines Kletterpartners die angepeilten Ziele unmöglich gemacht. Dennoch gibt es viel wunderschöne Fotos/ (Videos?) welche ich in den nächsten 3 Wochen per Post  versenden werde.


Danke an Robert für seinen Schlafsack und die Trockensäcke ohne welche wir mit nassen Sachen erbärmlich gefrohren hatten.
-Danke an Paul für den Wetterbericht und die vielen Tips.
-Danke an Susanne, unser Exildresdnerin, die in Puerto Natales durch ihre Hilfe uns mehr als nur einen extra Klettertag in Chile beschert hat.
-Danke an Issy der trotz 10 Tagen extrem schlechtes Wetter immer gut gelaunt war obwohl das Klettern leider etwas zu kurz kam.
-Danke an Troutman, Tad, Johnny, Coach, Mikey und die anderen Amerikaner die im Centro Alpino ganz liebe Nachbarn waren und mich mehrfach zum Essen einluden sowie Gesellschaft leisteten.

Kletterstil

-Danke an Rollo, der mir in unseren langen Gesprächen nicht nur verständlich machte warum es in den Augen der meisten Leute unsinnig erscheint Bohrhaken neben Rissen zu platzieren. Weiterhin war mir auch seine Meinung zum Freiklettern in den großen Wänden & Bergen dieser Welt wichtig wo das Technoklettern (Aid) noch einen viel zu hohen Stellenwert hat obwohl diese Era bei den meisten natürlichen Linien der Vergangenheit angehören sollte. Es ist mir persöhnlich schon fast wie eine Beschränkung vorgekommen Routen immer im sächsischen Stil, also bei der Fortbewegung im Vor- und Nachstieg frei von künstlichen Hilfsmitteln. Ergänzend dazu ist mein Ziel noch die Routen möglichst Rotpunkt zu Klettern.
Ich erwähne das deswegen so explizit, weil meiner Meinung nach Bezeichnungen wie Team-Free (Vorsteiger klettert frei, der/die Nachsteiger Jümart bis nach 5-10 Längen der Vorsteiger ausgetauscht wird) nicht nur in ihrem Namen irreführend sind sondern auch keine Weiterentwicklung des Kletterns sind. Bereits 1988 haben Tod Skinner und Paul Piana die Salathe Wall am El Capitan Team-Free geklettert, weil es zu anstrengen und zu Hautintensiv war für beide jede Länge frei zu klettern. Dennoch eine Weltklasse Leistung für diese Zeit und offiziel die erste freie Begehung. Als einer der Huber Brüder 1996 die Route alleine Vorstieg behauptete er, dass dies die erste freie Begehung wäre. Also irgendwie verwirrend oder. 
Was bedeutet dann das Wort "Free" in Team-Free. Was noch viel interesannter ist wie heißt dann eine Begehung wo Vor und Nachsteiger Frei klettern? Muss man dies dann Real-Team-Free oder Team-Free-Free bei einer Zweierseilschaft und Team-Free-Free-Free-Free bei einer Viererseilschaft nennen?
Ich will damit keinerlei Begehungen kritisieren sondern nur zum Denken anregen, denn der einfachste ist nicht immer der beste Weg. Für mich war es jedenfalls erschreckend die Erklärung für Team-Free zu hören denn für mich war dies bisher logischerweise eine freie Begehung des Vor- und des Nachsteiger. Vielleicht bin ich auch in dieser Hinsicht zu logisch veranlagt.
Mal sehn wohin das Klettern sich in den nächsten Jahrzehnten entwickelt und was dann alles schon als "Freie Begehung" zählt.


Falls ich jemanden an dieser Stelle vergessen habe, so sei auch diesen hiermit gedankt.

Vortrag
Für die die unsere Erlebnisse in Bild und Ton live erleben wollen gibt es einen Lichtbildvortrag.
Der offizielle Termin für den Vortrag ist der Freitag der 20.03 um 20:00 Uhr in der Kletterarena. Demnächst werde ich noch mal dazu einen Flyer posten.

Samstag, 21. Februar 2015

Die Letzten Versuche

Die Fitz Roy Gruppe vom Torre Valley aus.

Blick vom Passo Superior runter zu Laguna.

Je später sie Saison umso schlimmer sehen die Gletscher aus und um so schwerer ist deren Überschreitung.


Endlich hatte ich mit Pepe einen Partner und es stand der Fitz Roy auf dem Programm. Doch zur Durchsteigung der 1350 m hohen Ostseite waren mindestens 3 Tage ohne Wind und Niederschlag nötig. Erneut machte mir das patagonische Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es kam nicht einmal ein Wetterfenster von einem Tag. Obwohl das Wetter schlecht angesagt war kam in den Bergen nie richtig viel Schnee dazu. Dennoch wollten wir es nicht riskieren in einer Wand ungeschützt einem Sturm ausgeliefert zu sein. Wir konnten also nur Warten. Bevor erneut schönes Wetter kam ging Pepes Zeit in Chalten zu Ende und ich stand ohne Partner da. Im Tal war das Wetter immer gut genug um Bouldern zu gehen und so war das Warten ein guter Zeitvertreib und zudem ein gutes Training. Mit den Chilenen welche täglich mein Spanisch aufbesserten hatten wir viel Spaß und bereits nach kurzer Zeit gehörte ich fest du dieser lustigen Gruppe. Als Pepe abfuhr hatte ich mich innerlich schon damit abgefunden auch die letzte Woche noch Bouldern zu gehen, denn das Wetter sah weiterhin sehr durchwachsen aus. An just diesem Tag kam Matteo aus Italien mit einem Vorschlag zu mir. Wir hatten uns gelegentlich in den Alpen getroffen und ich habe zusammen mit Issy einige Routen von ihm wiederholt und alle waren moralisch sehr anspruchsvoll. Wegen des kalten wechselhaften Wetters war das Team um Matteo (2 Schweizer und 3 Italiener) nicht sicher ob sie ihre Versuche am Ostpfeiler des Fitz Roy fortsetzen sollten. Alle außer Matteo sahen in der Ferrari-Route ein besseres Ziel für dieses Wetter und so fragte Matteo mich ob ich am Ostpfeiler der Fiz Roy Interessiert sei. Ohne groß zu überlegen sagte ich zu und da ich nur noch knapp 6 Tage hatte stiegen wir am nächsten Morgen zum Passo Superior auf wo bereits einiges Material deponiert war. Das Wetter war gut und nach 7h Schlepperei waren wir am Ziel. Des heutigen Tages. Der Plan für die nächsten Tage sah vor, das wir in 3 Tagen durch frei die Route des Ostpfeilers Klettern welche noch nie frei geklettert wurde. Dies würde jedoch scheitern, wenn Eis in den Rissen verhinderte den Riss zum Klettern zu benutzen wie es Matteo bei dem Versuch 2 Wochen zuvor erfahren durfte. Ein anderer Punkt der mir etwas Kopfzerbrechen bereitete war das Portalege. Da es keine Bänder zum Biwakieren gab, waren wir auf dieses angewiesen und Matteo hatte dies bereits am Passo Superior deponiert. Jedoch war dieses von Black Diamond und keiner von uns hatte dieses bisher zusammen mit dem Rainfly aufgebaut. Ich bestand also darauf, das wir dies am gleichen Abend noch übten, denn in der Wand und eventuell in einem Sturm ist alles viel komplizierter als auf dem Erdboden. Leichter gesagt als getan. Es dauerte tatsächlich 2 h bis das Portaleg im Rainfly hing. Das größte Problem war, dass das Portaledge zu groß für das Rainfly war und wir es nicht reinzwängen konnte. Also versuchten wir es vergeblich bis ich mir das Portaledge noch einmal genauer ansah. Dabei fiel mir auf, das die Längsstangen zu lang sind und suchte nach der Ursache. Auf der Richtigen Spur fand ich auch bals den Fehler, denn der feine Staub in den Stangen verhinderte das diese vollständig ineinander rutschten und somit zu lang waren. Noch immer war alles zwar ein Krampf, aber wir hatten es geschafft. Endlich konnten wir uns der Pflicht des Wasserschmelzens und des Abendessens widmen und noch ehe wir angefangen hatten fing es an zu schneien. Der Wetterbericht hatte ein wenig Niederschlag und Wind vorausgesagt, aber was in der Nacht folgte war ein richtiger Schneesturm. Das Zelt lag mehr auf uns als das es stand und es war alles andere als gemütlich. Das kondenswasser welches feuchtkalt auf mich herabregnette rief Erinnerungen in mir wach an unsere Nächte am Cerro Cotta 2000 im Torres des Paines Nationalpark. Ich fragte mich die halbe Nacht ob es so klug war bei diesem Wetter aufzusteigen. Noch bevor die Nacht herum war wußte ich das es sinnlos ist einen Versuch zu starten und dieses Wetter auf die leichte Schulter zu nehmen. Meine vermutung bestätigte sich am nächsten Morgen. Jedes bisschen Fels egal ob liegend, senkrecht oder überhängend war mit einer Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. In Patagonien heißt dieses Phänomen Verglas und der Fels ist dadurch nicht mehr kletterbar. Ausgelöst wird dies unter anderen durch die saubere Luft hier. Dadurch befinden sich Wassertröpfchen noch im flüssigen Zustand obwohl die

Zustieg zum Passo Suoerior mit Matteo.




Verglace, so nennt man hier mit Eis überzogenen Fells. Wenn das mit den Seilen passiert braucht man an Abseilen nicht mehr zu denken.

Das Ziel deutlich vorm Auge. Zustieg zum Passo Superior mit noch gutem Wetter.

Alles voll Schnee oder Eis. Am Vortag waren fast alle Wände Schneefrei.

Temperatur bereits unter 0° C ist. Das ist nur möglich, da es der sauberen Luft an Kristallisationskeimen fehlt welche das Wasser gefriehren lassen. Kommen diese supercooled droplets dann in Kontakt mit festen Gegenständen erstarren sie sofort zu Eis. So kann sich durch die Verwirbelung des Windes innerhalb kürzester Zeit eine flächendeckende Vereisung des Felses ergeben. Erst nach viel Sonne und warmen Wetter würde man am Fitz Roy wieder an freie Kletterei denken können aber das würde so schnell nicht geschehen, denn es war eiskalt. Resigniert stiegen wir ab, denn Zeit zum warten hatten ich nicht selbst wenn das Wetter perfekt gewesen wäre, hätte ich meinen Rückflug gerade so bekommen. Nach einem Anstrengenden Abstieg überlegten wir wie man die letzten 3 Tage für eine kürzere Route noch nutzen könnte. Bevor wir groß überlegten machte ein weiterer Schneesturm nur noch 2 Tage daraus und wir entschieden uns noch einmal ins Torre Valley zu Laufen. Das Camp Nipo Nino wo es sonst nur so von Leuten wimmelt war verlassen was bei dem Wetter auch verständlich war. Der nächste Tag war straff durchgeplannt denn es sollte um 5:00 Uhr früh losgehen und denn ich mußte noch am gleichen Tag bzw in der Nacht die 6-8h ins Tal absteigen. Pünktlich um 5:00 Uhr weckte uns der Regen und es hörte bis 9:00 Uhr nicht auf. Für die geplante Route reichte die Zeit nicht mehr und so entschieden wir uns für die "Voi de Benitiers". Die 400m Kletterei waren bis auf eine Einzelstelle (7b) ca. 6b. Der Fels war bis auf wenige längen ausgezeichnet und wir kamen gut voran. Anfangs war es noch kalt, feucht und windig aber später klarrte der Himmel auf. Die Schlüsselstelle ist der Wechsel zwischen zwei Rissen und obwohl viele sagten: "Es gäbe da keine Griffe und Tritte" gelang es mir diese Länge im on sight. Der Rest war nicht weiter Schwer und eher Genuskletterei für uns. Wir staunten nicht schlech, als wir bereits nach 4h am Ausstieg waren und uns freuten beide die Route o.s./ flash geklettert zu haben. Viel Zeit war allerdings nicht zur freude, denn wir mussten noch Abseilen, Absteigen, das Zelt abbauen und zurück nach El Chalten laufen. Nach einem Gewaltmarsch sondersgleichen waren ich um Mitternacht im Centro Alpino und gönnte mir mein Abendessen. Am nächsten Tag ging es nach dem Sachen packen wieder mit allem Gepäck zum Busbahnhof wo ich nichtsahnend auf meine Rückfahrt wartete. Kurz vor der Abfahrt kammen noch einige der Chilenischen Boulderer mit welchen ich viele lustige Stunden verbracht hatte vorbei um sich von mir zu verabschieden.
Was für ein Mistwetter. 6h Zustieg und dann noch Regen.

Nach 4h 400m höher am Ausstieg

Matteo in der Crux von Voi de Benitier an der Mojo.

 Normalerweise bin ich kein Freund von Abschiedsscenarien, aber ich freute mich dennoch sehr über diese Geste. 4 Wochen zuvor kamm ich Mutterseelenalein nach El Chalten und jetzt ließ schaue ich auf viele Erlebnisse und Gespräche mit verschiedensten Leuten zurück. Wenn auch das Klettern für meinen Geschmack etwas zu kurz gekommen ist hatte ich eine schöne Zeit.
So und jetzt ab nach Hause mit mir.


Ach so wenn der eine oder andere Fehler oder das Layout etwas gestört hat, dem bitte ich um Entschuldigung. Es ist nicht gerade leicht alles auf einem popeligen Handy zu schreiben und hochzuladen. Vor allem dann, wenn einem die Geschwindigkeit von ISDN wie weit entfernte Zukunftsmusik vorkommt.