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Sonntag, 28. Mai 2017

Im Rausch der Tiefe


Unsere Zeit im Yosemite ist wieder mal wieder zu Ende und es ist viel geworden auch wenn wir aus verschiedenen Gründen mehr als eimal zum Plan-B oder Plan-C greifen mussten. Gründe waren unter anderem das Wetter, weil die Route besetzt war oder weil die Fitness nicht dem Ziel entsprach. Das wirklich alles passt ist bei so große Wänden sehr wichtig, denn das Leben in der Wand ist geprägt von vielen Extremen.

Extrem ist die körperliche Belastung, den man schuftet wie ein Bergarbeiter. Extrem wegen der inneren Anspannung. Jeder Klettermeter ist neu, einschüchternd und ein Vorstoß ins Ungewisse. Je höher man kommt und je mehr Mühe und Schweiß man in eine Route gesteckt hat umso mehr fürchtet man sich so knapp vor dem Ziel noch zu scheitern. Jetzt ein einziger Meter der nicht zu klettern geht und die ganze Plackerei war umsonst. Gründe dafür gibt es viele: Nasse Griffe, zu weite Abstände zwischen Griffen. Oder wenn das Trinken oder das Essen ausgeht bevor man oben ist. Wenn aus Mangel an beiden kein Ruhetag möglich ist und nach einer physisch und psychisch anstrengenden Woche der Körper die zwingend nötige Bestleistung versagt. 
Auch der Mangel ist allgegenwärtig denn genug hat man von nichts dabei. Jedes Gram ist abgewogen und viele Scheiterten bereits an zu schwerem Gepäck. Da ist Verzicht die einzige Lösung. Das Wort Verzicht mag grotesk klingen angesicht der notwendige Ausrüstung welche eher einer Materialschlacht gleicht. Dennoch ist es meiner Meinung nach ein Entsagen vom Materialismus. Wer sich nicht auf das Allerwichtigste beschränkt der scheiter noch bevor es losgeht. Wer sich überschätzt der Scheitert, weil er nie eine Chance hatte. Wer sich unterschätzt dem fehlt das Ungewisse und die Herrausforderung. Die Möglichkeit zu Scheitern sind manigfaltig und die Konsequenzen sind überschaubar.
Am Ende steht jedoch das Erlebnis, welches so intensivist, dass man sich noch jahrelang daran erinnern wird. Dieses Erlebnis macht das Klettern von großen Wänden so reizvoll und genau das nenne ich den Rausch der Tiefe.
The crux of The Vortx at Fifi Buttress

The Crux at Romular Warbird


Montag, 22. Mai 2017

Growing up 13a A0, Half Dome



Es wurde kalt in Kalifornien. Nachdem es in den Bergen Neuschnee gab blieben die Temperaturen Nacht immer noch unter dem Gefrierpunkt. Das mussten wir nutzen denn normalerweise war es ja in der Sonne zu heiß um länger in den Kletterschuhen zu verweilen. Komisch dieses Jahr sonst gingen einem die Schattenziele aus und dieses Jahr sehnten wir uns schon ein bisschen nach der Sonne. Wie gesagt nur ein bisschen aber das muss bei mir schon was bedeuten. Die Wahl fiel auf die geschichtsträchtige Südseite des Half Dome. Hier hatte Warren Harding (Erstbesteiger von El Capitan und Mt. Watkins) fast 5 Jahre benötigt um sich durch die glatte Südwand zu Nageln. Hier waren auch zwei extrem gegensätzliche Routen zu finden. Auf der eine Seite Southern Bell 5.12d R (= runout) was so schlecht gesichert ist, dass die Orientierung und der Routenverlauf ein riesiges Problem darstellt. Die "gut gesicherten" 5.11er Längen haben 3 Bohrhaken die "weniger gut gesicherte" nur einen auf 60 m. Wer sich da verklettert und nicht mehr zurück kommt hat verloren. So erging es bereite einem guten Team aus Colorado, für die ein 20 m Sturz die Route in der 8. Sl vorzeitig mit 2 gebrochenen Beine beendete. Die andere Route Growing up (herranwachsen) von Sean Jones wurde 2007 unter sehr viel Kritik vollendet. Hier sind im unteren Teil die perfektesten Hangelrisse die im markanten Felsbogen hoch ziehen die logische Linie. Die oberen 300 m sind glatt und könnten jederzeit in einer Sackgasse enden. Da der Erstbegeher nicht wollte, dass es wieder eine sinnlose Hakenleiter durch die Wand zieht entschloss er sich die Linie von oben zu erkunden und auch die Bohrhaken gleich zu setzen. Durch die Vielzahl der Haken die gesetzt wurden und das strikte Verbot von Bohrmaschinen im Yosemite war das eine logische Lösung. Benötigt man doch für das Schlagen von einem Haken 30 - 60 min. Da die Längen z.T. 60 m lang sind und anhaltend schwer gibt es bis zu 17 Haken pro Länge. Diese gute Absicherung, also das fehlende Heldentum, und das von oben einrichten wurde damals so hart kritisiert. Komisch das bereits die Huber Brüder 1998 die ersten Längen von El Ninjo von oben eingebohrt hatten und die meisten Freikletterrouten am El Cap mehr Abseilbegehungen und Versuche von oben über sich ergehen lassen mussten als je von unten folgen könnten. Jedenfalls war die Vision von Sean Jones, dass das Kletter im Yosemite irgendwann aus seinen Kinderschuhen Herauswachsen wird und das Routen keine Selbstmordkomandos mehr sein müssen. Deshalb auch der Name Growing up.



Wie die Geschichte zeigt, war seine Vision ein richtiger und heute auch üblicher Gedanke im Yosemite. Wohl gemerkt unter den gegebenen Umständen. Mit Bohrmaschine wäre es meiner Meinung auch von unten machbar aber nicht per Hand. Das Ergebnis die Route Growing up ist ein wahres Meisterwerk an Felskletterei auch wenn 25 m noch nicht freigeklettert wurden (A0) und wahrscheinlich nicht freikletterbar sein werden. Soweit zur Vorgeschichte.



Wir machten uns auf den 4 h dauernden Zustieg und genossen die Idylle des Little Yosemite Valleys wo uns der Aufstieg vorbei am Vernal Falls und Nevada Falls führte. Beeindruckende Landschaften und stetig bergauf. Die Rucksäcke wogen schwer und es war nasskalt vom Schneeregen der vorangegangenen Tage. Hier wurde unsere Motivation schon mal kleiner. Als dann noch die 20 l Wasser dazu kamen und der Einstieg zum greifen nah war dauerte es noch mal 1,5 h denn wir mussten uns durch dichte Matija-Büsche kämpfen. Ständig blieben wir oder der Rucksack irgendwo hängen und als wir am Einstieg standen waren wir zerkratzt sowie fix und fertig. Das war ja ein toller Anfang, aber was kam sollte uns für alle Mühen entschädigen. Wir kletterten die ersten 4 Längen noch am Nachmittag und ich muss sagen selten habe ich solche tollen Risse im Yosemite erlebt.
Nicht das sie leicht waren aber es war ein guter Ausblick für das Kommende.

Die Nacht war selbst im Zelt kalt und wir hatten die erste Längen immer wieder eiskalte Finger. Dazu kam das eine meiner 12er-Längen patschnass und schmutzig war. Hier kam ich bereits an meine Grenze denn der Hangelriß war nass und moosig. Dazu kam das die glatte Wand an welche man treten musste auch nass war was für mich einen echten Albtraum darstellte. Sobald ich an der schweren Stelle ausspreizen wollte rutschten die nassen Kletterschuhe auf dem trockenen Fels wie Seife von der Wand ab. Da war Thomas seine Technik schon beeindruckend einfach: Ins Nasse treten, kräftig pressen und vor allem nicht chalken. Denn das Wasser, das Moos und das Chalk waren eine echt schlüpfrige Mischung. Mit viel Überwindung, etlichem wegrutschen und noch mehr Zeit konnte ich letztendlich durchsteigen, war jedoch mit meinen Kräften am Ende. Thomas stieg weiter heldenhaft vor und Kletterte ohne es zu merken seine schwerste Länge im Valley 5.12c/d on sight. Es war wieder so eine Länge wo man einen Hauch von nichts in einer Verschneidung anhangeln musste. Für diese Art der Kletterei fehlte mir bereits jetzt die Kraft und Thomas war einfach spitze im Hangeln da kann ich immer nur staunen. Weil wir 2 Seillänge zusammengehängt hatten war Thomas auch bei der 5.13a Schlüssellänge wieder an der Reihe. Hier waren es wieder windige Hangelstellen welche er trotz spartanischer Absicherung mit Bravour meisterte. Am Ende kam eine Untergriffhangel die für seine Finger fast zu eng war. Um über diese Stelle zu kommen musste er 5 m so kräftig pressen und öfters ansetzen, dass sich gefühlt der Riss sich weitete. Nur aus diesem Grund konnte ich im Nachstieg sofort Durchsteigen und es fühlte sich dort oben gar nicht mal so schwer an. Da fühlte sich die 7. nasse Länge sehr viel schwieriger und schlimmer für mich an.



Jetzt war der Weg frei für die nächsten Reibungs- und Wandlängen. Nach der ganzen Hangelei und mit der verbliebenen Kraft war das eher mein Ding. Die Route führten an einer horizontal verlaufenden Quarzader entlang welche leider 3 m zu früh endete und somit eine A0 Stelle nötig machte. Unser Tagesziel, ein 2 m x 30 cm abschüssigen Band hatten wir somit erreicht, aber wir kletterten dennoch die nächster sehr unschöne Länge um den nächsten Tg nicht mit so etwas beginnen zu müssen. Erst nachdem das Seil im Nächsten Standplatz hing machten wir uns zur Nacht fertig.

Da wir nicht noch mehr Gewicht über mehrere Stunden schleppen wollten hatten wir auf die 8 kg Portalege verzichtet. Logisch betrachtet schon ein ausgeglichener Tausch. Für 8 h weniger Leiden im Auf- und Abstieg sollten wir nun 8 h Leiden. Wir wussten allerdings nicht ob die Rechnung aufgeht. Unsere Alternative bestand aus 2 Hängematten. Der Plan war diese in den Quergang zu spannen und in diesen die Nacht zu verbringen. Das klingt leichter als es ist denn wo findet man schon 2 Haken auf der selben Höhe ca 4m auseinander? Wenn man das schon mal hat wo hängt man die 2. Hängematte hin, wenn man sie darunter hängt dann wird es deutlich unbequemer, weil man so extrem geknickt liegt. Naja wir fanden jedenfalls nur 3 Haken die mit etwas Gefälle passten und denn Rest bastelten wir mit Friends darunter. Das Ganze dauerte über 1 h aber die Mühe hat sich meiner Meinung nach gelohnt. Wenn man nur mal daran denkt, wie es ist wenn man Nachts auf Toilette muss und sich Stunde um Stunde unruhig hin und her wälzt bis man endlich auf Klo geht was nicht mal eine Minute dauert. Was ist da die eine Minute verglichen zu den unruhigen Stunden. Immerhin sind wir ja keine Sadisten und wollen nicht absichtlich Leiden. Das die Wand liegt und wir mit einer Seite ständig an die Wand gedrückt wurden ließ sich leider nicht vermeiden.
Das Leiden begann, als Thomas sein Hägematte bestieg und innerhalb der ersten 30 Minuten laut schimpfend mehrfach kurz vor dem herausfallen war. Es konnte zwar nichts passieren, da wir ja noch am Seil fest waren, aber das sah erst einmal nach einer langen Nacht aus. Ich hatte gut Lachen denn ich hing noch draußen und assistierten mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Als ich mich dann endlich in die Hängematte gelegt hatte fand ich es gar nicht so unbequem. Jedoch war das in den Schlafsack kommen alles andere als leicht und eine einzige falsche Bewegung und man wurde aus der Hängematte geworfen. So kroch ich nur halb rein, denn ich hatte ja noch die Daunenjacke an. Später erst erkannte ich den Grund warum diese Hängematten so kippelig waren, denn der Soff in der Mitte war etwas kürzer geschnitten damit man nicht so extrem in der Mitte durchhängt. Naja an dieser Stelle war es sehr unangenehm aber wenn man sich nicht bewegt ging es.
Es wurde keine lange aber eine kalte Nacht und ich kroch mit Daunenjacke und ganz vorsichtig zentimeterweise immer tiefer in meinen Schlafsack hinein. Am Ende hatte ich diesen über den Kopf gezogen doch das nützte wenig. An der Stelle wo man an der Wand anlag wurde es immer kalt und es waren nun mal Temperaturen um den Gefrierpunkt. Naja Tiefkühlkost hält sich ja bekanntlich auch länger.


Der neue Tag fing sehr schön an und es würde immer besser werden. Uns weckte kurz nach 6 die Sonne mit ihren warmen Strahlen. Danach kam ein Klettertag bei dem alles passte und den man nie vergessen wird. Über 300 m geniale Wand und Reibungskletterei und untypisch fürs Yosemite es war kein einziger Riss dabei. Die Wand ist gut mit Bohrhaken abgesichert jedoch macht die Art der Kletterei keinen einzigen Haken überflüssig. Ich fühlte mich wie den ganzen Tag in Fontainebleau eine blauen Parcour Klettern. Etwas Schieben hier und Stützen da. Ja immer schön die Tritte ansehen, denn von oben sieht man diese nicht mehr und zum Festhalten gibt es nur selten was.



 Das alles bei perfekten Wetter in kühler Luft und sonnigem Fels. Die Strukturen waren ebenfalls abgefahren. Mal gab es eine Felsader die zwar bessere Griffe bot aber dafür keine Tritte, mal musste man zwischen Felsadern spreizen und mal waren es tolle Plattenstrukturen. Wie gesagt ein perfekter Tag, ein toller Gipfel.




Nach 11 mal abseilen waren wir wieder knieschonend am Einstieg und konnten das Erlebte im Rückblick genießen. Das Ganze noch weiter Auszuschmücken spare ich mir denn immer noch fehlen mir buchstäblich die Worte dafür. Am Einstieg saß ich noch stundenlang neben unserem Zelt und genoss das Erlebte. In mir kehrte eine seltene Ruhe ein und vielleicht träumte ich auch schon ein bisschen von neuen Abenteuern.

Nur wer sich auf die Suche begibt kann etwas neues Finden und nur wer seine Komfortzone verlässt kann voller Zufriedenheit in den komfortablen Alltag zurückkehren.


Montag, 15. Mai 2017

Mt Watkins - aka "size matters"


Da am El Cap immer noch nicht die gewünschten Bedingungen für unsere Routen herrschten und wir zudem festgestellt hatten, dass unsere Fitness nicht gut genug war entschieden wir uns für andere Ziele die auch besser zum Wetter passten. Das Wetter im Valley spielte echt verrückt und normalerweise hatten wir bereits im April die ersten Tage mit 40 °C aber jetzt hatten wir Mitte Mai Frost. War am Ende auch gut so, denn was da noch an Schnee in der High Sierra lag das sollte am besten nur langsam tauen, sonst ist alles unter Wasser.

Das Ziel war wie gesagt die Südwand am Mt. Watkins. Der Mt. Watkins lag sehr abgelegen am Ende des Tales und ist dem Abstieg zusammen 10-14 Meilen (ca. 20 km) zu laufen. Den Zustieg kannte ich bereits, leider musste ich damals den ganzen Weg wieder zurücklaufen, weil Leopold und Kerstin wegen zu langem Aufenthalt im Camp 4 vom Ranger des Zeltplatzes verwiesen wurden. Ohne Vorgreifen zu wollen muss ich sagen, dass der Berg wahrscheinlich was gegen mich hat.

Der Mt. Watkins wäre wenn er nicht so abgelegen wäre, genauso beliebt wie der El Cap. Denn er ist auch fast 800 Meter hoch. Obwohl ich den Zustieg bereits kannte brauchten wir fast 4h, bis wir im letzten Tageslicht am Einstig standen. Das dusseligste am Zustieg war, dass die kleinen Bäche die wir überqueren mussten zur Zeit reißende Ströme waren, die einem keinen Fehler verzeihen. Wenn man einmal in deren Fluten fällt und man war verloren und wenig Chancen zu überleben. Als passionierte Wildwasserfahrer wussten wir das zu genüge, doch es half nichts wir mussten da rüber. Die unangenehmste Stelle konnten wir durch einen Baum überqueren der über dem reißenden Bach lag. Doch leider war der Baum war klatschnass und rutschig. Da half es uns wenig, dass der Baum 1,5 m im Durchmesser war, wir mussten auf allen Vieren darüber hinweg kriechen. Alles rutschte und der Blick ins tobenden Wasser reichte aus um zu wissen, dass man hier nur einen Versuch hatte.


Am Einstieg angekommen dachte ich mir jetzt habe ich es endlich geschafft und kann mich an dieser tollen Wand versuchen, bis Thomas fragte wo denn Autoschlüssel eigentlich war. Tja wo war der denn, wo nur, misst verdammter wo war er denn nur? Als wir etwas spontan aufgebrochen sind da gerade in Shuttelbus kam und uns 2km extra Zustieg ersparte, hatte ich schnell noch das Auto zugemacht und in die Tasche gesteckt. In der Tasche war der Schlüssel jedenfalls nun nicht mehr, also blieben nur noch 4 Stunden Waldmarsch querfeldein ohne Weg wo ich den Schlüssen verloren haben könnte. Den Schlüssel finden wir nie wieder und wir hatten alles im Auto auch unser Geld. Thomas bot mir zwar an zurückzugehen wenn ich das will, aber dann wären wir wieder gescheitert bevor wir eigentlich eingestiegen waren und das wollte ich nicht. Zudem hätten wir das Problem mit dem Autoschlüssel sowieso, ob wir die Wand nun klettern oder nicht. Dann können wir die Wand ebenso gut klettern und das Problem später beheben.

Gesagt getan am nächsten Morgen ging es zeitig los. Warum der Mt. Watkins meist in der kühleren Jahreszeit geklettert wird merkten wir als uns um 7:30 Uhr die Sonne traf. Ich fand es waren trotz der 10 Grad ganz schön warm wenn nicht sogar heiß, wobei Thomas trotzdem fror. Zum Glück hatten wir da die erste Hürde des Tages hinter uns. Ein 5.12a Reibung die mit 7 Haken auf 45 m nicht gerade gut gesichert war. Dazu kam, dass das an klettern des 3. Hakens die Crux darstellte. Auf mikroskopisch kleinen Tritten stand ich und es stört mich auch nicht wenn man dabei nichts in der Hand hat. Das Eigenartige an dieser Kletterei ist leider das diese Fähigkeit abnimmt je weiter man über der letzten Sicherung steht. Ich glaube das hängt mit den Nerven zusammen und das die im Alter nicht besser werden. Bei dieser 2. Seillänge hatte ich bereits ordentlich Nerven gelassen. Das der Granit hier besonders glatt war, hatte auch nur einen einzigen Vorteil: Beim wegrutschen nutzten sich die Hände und die Kletterschuhe nicht so stark ab. War dennoch ein komisches Gefühl meine Abgänge. Ich glaube so fühlt sich ein Motorradfahrer der sich zu stark in die Kurve gelegt hat.
Als man irgendwann wusste wie es geht, war es kletter bar aber ich fand es immer noch eine straffe 9a/b Reibung und ohne gute Schuhe undenkbar.


Wir kamen gut voran, trotz dass die Linienführung nicht immer offensichtlich war. Es war wohl um die Mittagszeit da hatte ich wieder mal eine sehr unangenehme 12b abbekommen. Die Kletterei war sehr heikel, ich hatte massig Seilzug und der Haken war bestimmt über 20 Jahre alt und würde keinen Sturz halten. Um die guten Schuhe anzuziehen war es nun zu spät und die besagte Rostgurke war für 10 Meter die einzige Sicherung. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass ich mich alles andere als wohl fühlte und ich merkte das meine Nerven nicht mehr so die besten waren.
Zum Thema Moral also Angst beim Klettern hab ich mir über die Jahre so meine eigene Theorie zusammengereimt. Deshalb vertretete ich die Ansicht, dass die Menge an Angst welche man pro Tag ertragen kann begrenzt ist. Sollte man dies Grenze erreichen, dann ist man moralisch gesehen nicht mehr gut unterwegs. Ja so ging es mir jetzt aber irgendwann hatte ich die 9. Seillänge hinter mich gebracht.
Die Sonne war wie geplant bereits aus der Wand gedreht, als wir die Crux in der 14. Seillänge erreichten. Diese Stelle war schon immer die größte Unwägbarkeit der ganzen Route gewesen. Ein Dynamo wo man mit allem was man hat die Wand verlässt, nur um hoffentlich einarmig an einem Aufleger hängen zu bleiben. Tommy Caldwell benötigte immerhin knapp 20 Versuche ehe er am Aufleger hängen blieb und stufte die Stelle als V9 Boulderproblem ein. Das Hängenbleiben war jedenfalls nicht mein Problem, denn so sehr ich auch sprang mir fehlten immer 5 cm bis zum Aufleger. Das mag vielleicht daran liegen, das ich bei Leichtathletik nie besonders gut war oder das ich 10 cm kleiner als der Hausmeister vom El Cap bin. Thomas brauchte 3 Versuche bis er am Aufleger hängen blieb aber das hin springen bereitete ihm auch wenig Probleme. Tja da hat es mir der Mt. Watkins am Ende doch noch gezeigt und das 4 Längen unter dem Gipfel. Na ja, da wir den Abstieg nicht mehr am heutigen Tag schaffen würden richteten wir uns so gut es ging am Band unter der Crux ein. Das war zwar nicht die beste Wahl, denn mein Band war so abschüssig, dass ich die die Ganze Nacht mit den Füßen in der Luft baumelte und in den zurechtgelegten Seilschaufen hing. Mal was neues so ein halb liegender Hängestand, dafür konnte ich die ganze Nacht den Vollmond bewundern.

Die letzten 4 Längen waren noch mal ein paar schöne Risse dabei und wir standen 10:00 Uhr auf dem Gipfel. Bis auf den einen Zug konnte ich alles frei klettern und durchsteigen. Trotzdem ist es irgendwie komisch 5 cm vor dem Ziel zu scheitern. Da haben Nordamerikaner halt doch recht wenn sie sagen "Size matters" (auf die Größe kommt es drauf an). Nur das die Amerikaner dies auf ihre Autos, Häuser usw. anwenden. Vor dem Abstieg hatten wir etwas bedenken, da wir wegen des vielen Schnees den Weg nicht finden würden welchen wir nach einer Stunde querfeldein laufen treffen müssen um auf diesen 7 Meilen zum Auto zurückzulaufen. An dieser Stelle half uns aber die moderne Technik. Dank des GPS im Handy und den Kartendaten der Gegend hatten wir eine Orientierung und ohne dieses hätten wir auch nie gewusst das dieses Rinnsal was immer mal wieder mit Schnee bedeckt war unser Abstieg sein soll.

Zur Krönung des Tages versperrte uns noch ein



e ca. 1,2 m lange Klapperschlange den Weg. Am Abend bekamen wir dann in Fressno einen neuen Mietwagen.


Freitag, 5. Mai 2017

Wenn alle Brünnlein fließen / Mr Midwest

Nun ist es mal wieder so weit und endlich ließ sich wieder etwas Zeit fürs Yosemite freischaufeln.




Die goldenen Granitfluchten inspirierten Generationen von Kletterern und nirgendwo liegt eine grüne Wiese die alt und jung zum spielen einläd so dicht beisammen. Nirgendwo ist eine 1000 m Wand die wie zum Klettern geschaffen ist so nah an der Zivilisation wie hier. Diese Gegensätze schaffen zwar auch Konflinte aber vor allen Kontraste besonderen Art. Wärend oben in der Wand die Klettere sich jeden Meter hart erarbeiten müssen geht unten die Familien mehrmals die 100 m zwischen Auto und Picknicktisch hin und her. Wärend oben jede Kalorie gezählt und gewogen wurde sind diese im Tal im Überfluß vorhanden.
Solcherart Beispiele gibt es viele. Der Gegensatz welcher uns vom ersten Tag an beschäftigte war ebenso unschön. Wir hatten auf weite Sicht hin super Wetter mit 20°C und Sonneschein aber alles war nass und bei beiden kein Ende in Sicht. Das ganze rechte Drittel der Südseite des El Cap war ein Wasserfall und in den Bergen lag noch massenseise davon.

 Das Problem würde eher noch schlimmer werden als besser. Während 3 potentielle Ziel zum Großteil vom Horsetail-Wasserfall an die öffentliche Wasserversorgung angeschlosse wurden war es bei der Heart Route ein Längenzug der nicht für mich ging. Nachdem wir alles genau betrachte hatten gab es zum Glück im linke Teil noch eine neue Freikletterlinie vom letzten Jahr die halbwegs trocken schien.

Mr Midwest 5.13b /500 m
Vor 8 Jahren führte mich das West Face zum ersten mal in diesen abgelegenen Wandteil. Auch die Umstände wie ich zu meiner ersten El Cap Freikletteroute kam waren echt witzig. Ich war ohne Partner für die großen Wände im Tal und versucht vergebens jemanden dafür zu finden. Dies blieb eine Woche ergebnislos und notgedrungen ging ich Boulder. Ohne was gegen Bouldern zu sagen kam mir dies am Fuße von diesen gigantischen Wänden schon falsch vor. Naja besser als nichts tun und ich hatte ja noch seit '99 eine Rechnung mit dem bekanten Boulder Midnight Lightning offen. Dabei boulderte ich mit einer Gruppe aus Süddeutschland und lernte Michi kennen. Er war sehr aufmerksam beim Spotten und wirkte auch irgendwie fehl am Platze. Als ich ihm meine Anschauung zum Bouldern im Valley erzählte stimmte er mir zu. Er wäre auch eher der Seilklettere doch seine Freunde wollten aber nur
Bouldern. Lange rede kurzer Sinn. Am nächsten Tag stiegen wir am El Cap ein und ich kam zu meiner ersten Freikletterroute. Ganz so einfach wie das klingen mag war dies zwar nicht aber das ist eine andere Geschichte.

Nun stand ich mit Thomas 50 m links von West Face um in Mr Midwest einzusteigen. Die Wand sah glatt aus und wir konnte uns nur schwer vorstelle, dass die ersten Längen für 5.10 bzw. 5.11 kletterbar sein sollten. Das wir an dieser Stelle recht behalten sollten merkten wir bald. Später wurde dies auch noch von der Erkenntnis ergänzt, dass bei uns bereits ab 5.8 mehrere Fragezeichen aufleuchten.
Es war zwar früh am morgen aber wenn die erste Länge ernsthaft 5.11 sein sollte, dann ist 5.13 mit dem gleichen Maßstab gemessen überhängende Raufasertapete. Die Plattenstelle war zwar gut gesichert und ist eigentlich genau meine Kletterei fühlte sich aber nicht gut an. Darauf folgte eine glatte Hangelverschneidung wo Thomas ohne seine Finger in den Riß zu bekommen mutig hochspreizte.

 Die Verschneidung ging weiter und war mein Vorstieg. Bereits nach wenigen Metern waren meine Arme und Waden am Ende ihres Leistungsvermögens angelangt. Die Kletterei war einfach toll und als die Verschneidung am Ende komplett zu ging und man spreizen musste, war ich erstaunt was man alles für 5.10d Klettern muß.

 Da kann man wirklich froh sein, dass man auch etwas schwerer klettern kann aber viel Reserven hatte ich nicht mehr gehabt. An dem Punkt fragte ich mich ob wir uns nicht vielleicht etwas zu viel vorgenommen hatten. So kamen wir mehr oder weniger langsam voran bis die 3 schwersten Längen unmittelbar aufeinander folgten.

Thomas hangelte wild entschlossen den immer dünner werdenden Fingerriß bis seine Finger nicht mehr hineinpassen. An dieser Stelle kam wieder Thomas beeindruckender Zaubertrick.



 Wenn ich wüsste wie das geht würde ich mir das gerne abschauen. Mit viel Kraft und noch mehr Entschlossenheit presste er seine Finger in die Spalt und überbrückte die fehlenden 2 Meter. Ich hatte es mit dünneren Fingern auf dem Stück deutlich leichter. Es folgte die 5.13b Crux mit ebenfalls dünnen Hangelrissen welche zum Glück normal eingestuft war. Der einzige Haken an der Sache war das der Haken nicht optimal steckte. Dies hatte zur Folge, das beim wegrutschen auf dem Reibungstritt in der Crux die Schienbeine an der Dachkante von ihren Haaren befreit werden. Zum Glück passierte mir dies nur einmal, aber dies ließ die Entschlossenheit den entscheidenden Dynamo machen zu wollen nicht steigen. Es klappte letztentlich im Durchstieg ohne eine weitere Enthaarung.
Thomas hatte da eine schienbeinfreundlichere wenn auch brachialere Lösung. Er kletterte vom Stand gerade weg und stützte sich über die Dachkante unter das nächste Dach.
Was folgte war wieder mal eine knallharte 5.12. Eine glatte Rinne mit dem Hauch einer Rissspur.

Ohne die richtig engen Kletterschuhe hätte man hier keine Chance denn die Tritte auf der Wand waren winzig. Da wir diese bisher nicht wirklich ausgezogen hatten schmerzten die Füße und die Sonne brante auf uns hernieder. Ehe jetzt jemand fragt: "Ja das macht Spaß, aber erst wenn man die Schuhe auszieht." Nach zwei weiterne leichten Längen hatten waren wir geschaft und hatten das Ziel des Tages erreicht.


 Wir machten uns auf dem Absatz bequem und wunderten uns wie zum Teufel uns die Mücken in dieser Wand gefunden hatten. Nach einer Vollmondnacht ging es weiter mit vielen leichteren Längen wobei keine nur Ansatzweise leicht war. Wer hier denkt bereits oben zu sein, weil keine 5.12er mehr kommen der sei gewarnt: "Die 5.11d könnte locker 5.12 sein und gut gesichert war die nicht. Thomas hatte einmal mehr das Pech diese Länge vorsteigen zu dürfen, aber bei Wechselführung ist die Wahrscheinlichkeit  nun mal bei 50%. Heldenhaft kämpfte und schwitzte er sich diese rund Rissrinne hoch und oben wurde es zu allem Überdruss auch noch nass. Leider gibt es von der Länge keine Bilder aber kleine Offsetcams könnten hier hilfreich sein. Es wurde wie gesagt laut Topo leichter nur merkten wir nichts davon. Der Abschluß war ein wildes Dach was nur mit 5.10d eingestuft war.

Zum Glück gab es mitten im Dach ein Loch wo man hinenkriechen konnte um anständig etwas zu legen. Einiges später waren wir auf dem "Thanksgiving ledge" von wo wir das West Face aussteigen was wir beide bereits kannten. Nach einer weiteren Stunde Beinarbeit standen wir wieder einmal auf dem El Cap und sahen woher das ganze Wasser kommt.





Damit wäre auch die Frage geklärt wie lange der Horsetail Fall wohl noch seine Wassermassen über den rechten Teil des El Caps ausschütten wird.
Wir stiegen in sengender Hitze die Eastledges hinab ins Tal und freuten uns auf was anständiges zu essen.

Zudem wurden wir wieder mal erinnert das es im Yosemite keine leichten Längen gibt und falls doch, dann ist es nicht ernst gemeint.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Madagaskar Vortrag beim SBB am 16.01.2017




Für alle fleißigen Blogleser mal was zur Abwechslung. Am Montag den 16.01.2017 um19:30 Uhr  bietet sich für euch die Gelegenheit den Vortrag von Madagaskar life in den Räumlichkeiten des SBB zu lauschen.
Mehr informationen gibt es auf der Internetseite des SBB.
http://bergsteigerbund.de/2015/service/vortrag/

Also ich hoffe ma sieht sich beim SBB.